Coffy – Die Raubkatze / Coffy

Pam Grier ist Coffy: Krankenschwester bei Tag, Racheengel bei Nacht. Als sie erfährt, dass ein geldgieriger Drogendealer ihrer jüngeren Schwester eine Überdosis verpasst hat, nimmt sie blutige Rache. Sie verfolgt seine krummen Geschäfte bis zur Spitze eines Dealer-Rings. Was sie zu spät erkennt: Alles ist ganz anders, als es zu sein scheint. Im Hintergrund der Drogenszene zieht jemand die Strippen, den Coffy womöglich kennt. (Wicked Vision Distribution GmbH)

Einige Historiker haben es Shaft zugeschrieben, den sogenannten Blaxploitation-Wahn losgetreten zu haben. Doch ein bloßer Vergleich von Shafts Kosten-Nutzen-Verhältnis mit einem anderen Film von 1971 könnte etwas anderes aufzeigen. Laut einiger Online-Quellen war Shaft mit etwa einer halben Million Dollar budgetiert und brachte rund 13 Millionen Dollar ein, sicherlich eine gute Kapitalrendite und genug, um die Gläubiger zumindest für eine Weile von Metro Goldwyn Mayer fernzuhalten. Man vergleiche das jedoch mit diesen Zahlen: Kosten von etwa $150.000 und eine Rendite von weit über $15 Millionen. Sweet Sweetbacks Baadasssss Song, Melvin Van Peebles‘ Geschichte über einen „schwarzen“ Mann auf der Flucht vor der Polizei aus dem Jahr 1971 gelang dieses Kunststück, trotz eines rasanten Drehs und eines noch schwierigeren Vertriebsmodells, das durch Van Peebles‘ provokativen Gebrauch von Sex erschwert wurde.

Shaft mag der „Mainstream“-Hit gewesen sein, der auch von einem „weißen“ Publikum angeschaut wurde, doch es ist Sweet Sweetbacks Baadasssss-Song, der eher als Vorläufer von Blaxploitation angesehen werden sollte, zumindest aus tonaler Perspektive. Van Peebles‘ Formulierungen sind definitiv zu der „in your face“-Variante zu zählen, während eine seltsame Kombination aus Unbekümmertheit sowie einem Hauch (und manchmal auch mehr als nur einem Hauch) von Wut dazu neigt, viele Blaxploitation-Werke zu färben. Bei Coffy ist das mit Sicherheit der Fall, einem Film aus dem Jahr 1973, der weder mit dem Einspielergebnis von Shaft noch von Sweet Sweetbacks Baadassss Song mithalten konnte, aber als „Genre“ -Film gut genug lief, um Pam Grier als das „go to girl“ für die gynozentrische Blaxploitation-Kost dieses Jahrzehnts zu etablieren.

Die urbane Atmosphäre, die für Blaxploitation-Filme so bezeichnend ist, wird in Coffy von Anfang an offensichtlich, da so etwas wie ein Nachtclub nicht nur energiegeladene Melodien beherbergt (mit freundlicher Genehmigung von Roy Ayers, der sich für Coffys funk beeinflussten Soundtrack verantwortlich zeichnet), sondern offensichtlich auch Aktivitäten von eher krimineller Natur. Ein Drogendealer, der unbedingt schnell einen Schuss Heroin braucht, spricht mit seinem Lieferanten (einem übersättigten Bösewicht), der nicht gerade freundlich reagiert, als der Dealer ihm mitteilt, er habe seinem Chef ein Mädchen anzubieten (im Austausch für die dringend benötigten Drogen). Als er weiter mitgeteilt bekommt, dass das Mädchen doch tatsächlich schon in seinem Auto auf ihn wartet, wird er sehr böse und rennt nach draußen, um sie aus seiner Karre rauszuschmeißen. Doch dann erblickt er die soignierte Coffy (Pam Grier), ändert seine Meinung und entscheidet, dass ein bisschen Ruhe und Erholung mit dieser listigen Füchsin vielleicht genau das ist, was der Arzt verordnet hat. Es stellt sich heraus, dass Coffy vollkommen andere Pläne hat, wobei der Bürgerwehrstatus des Charakters am Ende dieser ersten Sequenz bereits gut dokumentiert wird.

Es stellt sich heraus, dass Coffy nicht nur eine Tötungsmaschine verkörpert, sondern eigentlich eine Krankenschwester ist, die sich auf einem Rachefeldzug befindet. Während sie ein relativ normales Privatleben führt – einschließlich eines aufstrebenden Freundes mit politischen Ambitionen namens Howard Brunswick (Booker Bradshaw) sowie einem Ex-Freund (der Polizist ist) namens Carter (William Elliott) – ist Coffy darauf aus, ihre Umgebung von illegalen Aktivitäten zu befreien (die zumeist, jedoch nicht ausschließlich, im Zusammenhang mit Drogen stehen). Wie man den gesamten Film über gut beobachten kann, schreckt Coffy nicht davor zurück, ihre weiblichen Vorzüge sowie ihre Cleverness einzusetzen, um sie mit verschiedenen Kriminellen zusammen zu bringen, damit sie diese ein für alle Mal über den Jordan schicken kann. Während eines dieser „Zwischenspiele“ geht alles schief, weswegen Coffy vom Gangland-Mob-Boss Arturo Vitroni (Allan Arbus) gefangen genommen wird.

Coffy gibt ein paar Lippenbekenntnisse zu den angeblichen Beweggründen für die Besessenheit seiner Titelfigur ab, die kriminellen Elemente ausschalten zu wollen, doch der Film ist nicht wirklich an tiefgründigen psychologischen Expertisen interessiert und zieht es stattdessen vor, adrenalingeladene Szenen des Gemetzels sowie schlüpfrige Szenen exploitativen Materials zu offerieren, das nicht nur einen guten Blick auf Grier, sondern auch auf andere Frauen der Besetzung zu bieten hat. Sollte man es genau nehmen, so fühlt sich der Film ein wenig mechanisch sowie wahrhaftig klischeebeladen an und kommt wie eine ungezogenere urbane Version des (Rache-) Films der Woche daher. Regisseur Jack Hill (Die Bronx-Katzen, Foxy Brown) schafft es irgendwie Coffy zu objektivieren und sie zur Personifizierung eines beginnenden Feminismus zu machen, bei dem ihre weiblichen „Attribute“ nur Mittel zum Zweck sind – eigentlich mehrerer Zwecke, wie es der Bodycount des Films zu beweisen vermag. Coffy kommt ein bisschen schmuddelig rüber und erhebt sich nie ganz über die reinen Genrekonventionen hinweg, bringt allerdings eine Menge Spaß, wobei Pam Grier natürlich als ein absoluter Augenschmaus beschrieben werden muss. Hill bringt die Dinge zügig voran, während der Streifen gleich mehrere Knockout-Sequenzen zu bieten hat. Roy Ayers‘ funktastic Score trägt maßgeblich zur Faszination dieses enorm unterhaltsamen Flicks bei.

Wicked-Vision veröffentlicht Coffy als Nummer 08 ihrer Black Cinema Collection in einer Scanavo BD-Box (Blu-Ray und DVD), die auf 1.500 Stück limitiert ist und wobei es sich nicht um ein sogenanntes Re-Pack handelt. Bild (1,85:1; 1080p / 1,85:1 anamorph) und Ton (Deutsch + Englisch DTS-HD Master Audio 2.0 / Dolby Digital 2.0) bewegen sich, wie vom Label angekündigt, auf ziemlich hohem Niveau, da kann man sich absolut nicht beschweren. Außerdem können auf Wunsch deutsche oder englische Untertitel zugeschaltet werden. Erlebt diesen Kultfilm in einer fantastischen restaurierten Bildqualität (Arrow-Master), der erstmals vollständig in einer hochwertigen deutschen Synchronfassung vorliegt. Dafür wurden 2021 die seinerzeit gekürzten Szenen aufwendig nachsynchronisiert. Insgesamt handelt es sich bei Coffy wieder einmal um eine äußerst gelungene Edition mit interessantem sowie umfangreichem Bonusmaterial, die bei Liebhabern und Freunden des Blaxploitation-Kinos enorm gut ankommen sollte.

Bonusmaterial:

• 24-seitiges Booklet mit dem Essay Coffy- Die Raubkatze des Blaxploitationfilms. Emanzipation oder perfides Spiel mit Stereotypen? von Lio Schlösser —> erweist sich als sehr informativ und interessant geschrieben
• Audiokommentar mit Regisseur Jack Hill
• Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese —> wie auch schon bei den vorherigen VÖs der BCC bereitet es wahre Freude den beiden Kommentatoren bei ihren recht informativen sowie unterhaltsamen Ausführungen zu folgen
• Doku: „Pam Gier – The Mother of Blaxploitation“ mit PD Dr. Andreas Rauscher —> gestaltet sich wieder einmal enorm informativ
• Featurette: „Coffy for Cool“Jack Hill über ein Kultphänomen —> lohnt sich
• Featurette: „The Baddest Chick in Town!“ – Interview mit Pam Grier —> enorm interessant
„Coffy in 15 Minuten“: Englische Super-8-Fassung
• Deutscher Kinovorspann
• Originaltrailer
• Bildergalerie

Beim Wicked-Shop oder Amazon bestellen

Freigabe: ab 16 Jahre
Ländercode: B / 2
Laufzeit: 90 Minuten (ungekürzt) / 86 Minuten (ungekürzt)
Bildformat: 1,85:1 (1080p) / 1,85:1 (anamorph)
Sprache: Deutsch, Englisch
Tonformat: DTS-HD Master Audio 2.0 / Dolby Digital 2.0
Untertitel: Deutsch, Englisch
Untertitel Extras: Deutsch, Englisch
Verpackung: Scanavo BD-Box
Discs: 2
Format: Blu-ray & DVD
Studio / Vertrieb: Wicked Vision Distribution GmbH

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Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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