Bridge to Hell / Un ponte per l’inferno

VHS – Edition

Jugoslawien während des Zweiten Weltkrieges. Drei Männern gelingt die Flucht aus einem deutschen Gefangenenlager. Bei jugoslawischen Partisanen finden sie vorerst Unterschlupf, doch ihren weiteren Weg in die Freiheit müssen sie sich erst teuer erkämpfen. Zusammen mit ihrer Führerin Vanja, einer jungen Novizin und einem unermesslichen Goldschatz, versuchen sie, heimlich die Grenze zu erreichen. Doch dann stehen sie vor einem unüberwindbaren Hindernis: Eine tiefe Schlucht über die eine gewaltige Brücke führt, bewacht von schwerbewaffneten Soldaten. Ein Zurück gibt es für sie nicht – und jeder Schritt nach vorn, ist ein Schritt in den sicheren Tod. (Starlight Video)

Umberto Lenzi ist bestens für seine Horrorfilme, poliziotteschi und gialli bekannt, doch er hat in den 70er Jahren auch einige sogenannte Macaroni-Combat Flicks mit Star-Aufgebot gedreht, wie Il grande attacco (Die große Offensive, 1978) mit Henry Fonda sowie Stacey Keach und Contro 4 bandiere (Nur drei kamen durch, 1979) mit George Peppard sowie George Hamilton. Als dann die 80er Jahre um die Ecke schauten, beschloss er, dem Genre erneut eine Chance zu geben, indem er Tempi di guerra (Kommando Schwarzer Panther, 1987) und Un ponte per l’inferno (Bridge to Hell, 1986) drehte, wobei beide Ausflüge erstaunlich billig erscheinen und im Wesentlichen handlungslose Kriegsepen darstellen. Der Plot von Bridge to Hell ist unglaublich einfach gehalten, so einfach, dass Lenzi dazu neigte den Film mit sinnlosen Actionszenen und Nebenhandlungen (die für den Streifen wirklich keine Relevanz haben) aus der Spur zu bringen. Was wir hier haben sind drei entkommene alliierte Gefangene, die der jugoslawischen Front entlang wandern, bevor sie auf eine geheime Guerilla-Truppe stoßen, von der sie von einem 5-Millionen-Dollar-Schatz erfahren, der in einem Nonnenkloster versteckt wird. Ihre Waffen und eine Fremdenführerin müssen sie sich erstmal verdienen, indem sie ein Flugzeug stehlen und einen Zug in die Luft jagen. Auf ihrem Weg, den Schatz zu stehlen, werden sie selbstverständlich ständig in Feuergefechte mit deutschen Streitkräften verwickelt.

Lenzi schien nicht gewusst zu haben, wohin die Handlung unsere Helden führen soll und ließ ihr deswegen freien Lauf. Aufgrund dessen erwarten den geneigten Zuschauer unterwegs eklatante Handlungslöcher. Viele der Plot-Elemente werden sogar wiederholt. Unsere Charaktere stehlen ein Flugzeug, ballern eine Weile um sich und stürzen ab. Später stehlen sie ein weiteres Flugzeug, ballern eine Weile um sich und stürzen dann, doch tatsächlich allen Ernstes, erneut ab. Diese lahme Handlung führt dann auch noch zu einem unglaublich unerfüllten Ende, doch wie soll man eine so einfache und schlampige Geschichte auch vernünftig gut zum Abschluss bringen? Das Schauspiel gestaltet sich unglaublich schlecht und bringt einen gerade dazu sich all die farbenfrohen, sympathischen Schauspieler zurück zu wünschen, die in den klassischen Macaroni-Combat Filmen der 60er, 70er und frühen 80er Jahre aufgetaucht sind. Die Jungs in Bridge to Hell sind einfach nur schrecklich! Um das Ganze abzurunden ist auch die Synchronisation als unterdurchschnittlich zu beschreiben, was die Schauspielerei noch unerträglicher wirken lässt. Der Dialog ist als entsetzlich zu bezeichnen, doch zumindest sorgen einige der Zeilen für höhnisches Gelächter. Eine Nonne, lässt an einer Stelle verlauten: „Ich dachte Amerikaner wären wie Russen. Sie alle verehren Satan.“ Was zum Teufel soll dieser Kommentar!? Es geht jedoch noch weiter, denn einer der Soldaten antwortet darauf „nein, wir verehren Martin Luther“ worauf die Nonne erwidert „Der ist schlimmer als Stalin!“ Heiliger Bimbam, nach dieser „Konversation“ fällt man vor Lachen vom Sofa!!!

Wie bei den meisten Macaroni-Combat Flicks fehlen die Spezialeffekte hier schon sehr, was bei den eher heitereren Einträgen des Genres wie Ein Haufen verwegener Hunde noch zum Charme und Spaß der Filme beigetragen hat. Hier wird aus einer schlechten Situation eine noch schlechtere gemacht, da die Spezialeffekte von explodierenden Flugzeugen und dergleichen ziemlich schlimm geraten sind. Ein epischer Dummy-Sturz von einer Brücke stellt vielleicht den am meisten Kopfschmerzen verursachenden Aspekt der enorm lahmen Effekte dar. Eigentlich kann man die Macaroni-Combat Streifen der 60er, 70er und frühen 80er Jahre nur mögen, doch die Genreeinträge der späten 80er Jahre sind einfach extrem billig gemacht und verdammt schmerzhaft anzusehen. Ist das alles Lenzis Schuld? Schwierig zu sagen, da alle seine zeitgenössischen italienischen Regisseure zu dieser Zeit auch „schlechte“ Filme produzierten. Vielleicht hat er ja ganz einfach nur versucht das Beste aus seinen begrenzten Ressourcen zu machen. Was auch immer der Grund sein mag, dieser Film ist immer noch äußerst schlecht, aber um ehrlich zu sein, ist er trotzdem besser als die meisten Macaroni-Combat Beiträge, die gegen Ende der 80er Jahre gedreht wurden. Was einer sehr traurigen Aussage gleichkommt. Nur für „Feinschmecker“ des „Trash“-Kinos.

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  • Bildformat: „Vollbild 4:3“
  • Medium: „VHS“
  • Spielzeit: „ca. 88 Minuten“
  • Sprache: „Deutsch“
  • TVNorm: „Pal“
  • Zustand: „TOP Zustand – Hartbox“
  • FSK: „16“
  • Tonformat Analog: „Mono“
  • Medium: VHS
  • FSK-Logo: 16

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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Eine Antwort

  1. 31. Oktober 2020

    […] Rache der Kannibalen, 1981), doch danach „segnete“ er sein Publikum nur noch mit Filmen wie Un ponte per l’inferno (Bridge to Hell, 1986), Demoni 3 (Dämonen 3, 1991) und natürlich I cinque del Condor (Hungrige […]

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