Der Kampfgigant / Double Target

Schneller als eine abgezogene Handgranate zündet, sieht sich der Vietnam-Veteran Bob Ross erneut dem tödlichen Inferno aus Hass, Blut und Feuer gegenüber, das er gerade zu vergessen suchte. Ein geheimer Spezialauftrag führt ihn noch einmal in den Dschungel. Hier kann Bob zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: seinen Sohn befreien und die offene Rechnung mit dem Land begleichen, das ihm die besten Jahre seines Lebens zur Hölle machte. Mit Bob Ross zieht eine Spur aus Feuer, Blut und Tod durch den Dschungel. Gibt es Rettung aus dieser gnadenlosen Hölle? Ross, der Kampfgigant beantwortet diese Frage kompromisslos! (Cinestrange Extreme)

Der Kampfgigant ist als eine völlig lächerliche, jedoch unverschämt lustige Action-Tollerei des italienischen Regisseurs Bruno Mattei (hier als Vincent Dawn aufgeführt) zu beschreiben. Es gibt so viele große Explosionen zu bestaunen, so dass die Filmemacher beim Drehen dieses Filmes dabei wahrscheinlich einen Großteil der Philippinen zerstört haben. Miles O‘Keeffe (Phantom Raiders, Marked Man) wird von einem sehr verwirrt erscheinenden Donald Pleasence engagiert, um in Vietnam ein russisches Lager unter der Kontrolle eines mit variierenden Akzenten sprechenden und möglicherweise ziemlich betrunkenen Bo Svenson zu infiltrieren. O‘Keeffe stimmt zu, da ihm diese Mission ermöglichen würde seinen Sohn zu finden, den er vor vielen Jahren in Vietnam zurücklassen musste. Jetzt kann er ihn endlich mit nach Hause nehmen, in die guten alten USA.

Was sich daraus ergibt, ist eine ziemlich coole und ununterbrochene Flut von Verfolgungsjagden (Auto sowie Motorrad), Schießereien, Minenfeldern und vielen, vielen, vielen Explosionen. Billige und auf einfachste Art und Weise in Italien produzierte Actionfilme glichen zumeist das, was ihnen an Budget, Schauspielfähigkeit und Kohärenz fehlte, damit aus, alles in die Luft zu jagen. Mattei hatte sicherlich ein Faible für Explosionen, denn so ziemlich alles, was mit unserem Helden in Kontakt kommt, wird in die Luft gesprengt und zwar im großen Stil. Die Pyrotechnik kann als recht beeindruckend beschrieben werden, während jedes Set und Fahrzeug in einem Feuerball zerstört wird. Darüber hinaus gibt es viele Schießereien, einige nicht überzeugende Kämpfe, Verfolgungsjagden mit Motorrädern und Jeeps, Hubschrauber-Action in Hülle und Fülle und sogar einen Kampf mit einem Hai zu sehen. Ja, O’Keeffe kämpft gegen einen Hai und gewinnt (ja, Ihr habt es erraten!), indem er ihn in die Luft sprengt. Genial! Dieser Film hat wirklich alles und um fair zu sein, die Ereignisse werden alle ziemlich gut gehandhabt, wobei man nur selten ein paar Minuten von der nächsten Actionsequenz entfernt ist.

Hinzu kommt die lächerliche Nebenhandlung über den Sohn des Helden, der seinen gerade erst kennengelernten Vater zunächst hasst, ihn letztendlich aber doch lieb hat (in der schnellsten 180-Grad-Veränderung der Gefühle aller Zeiten!). Pleasence und Svenson sind offensichtlich aufgrund ihrer Gehaltsschecks mit an Board, wobei sich Pleasence nicht sicher zu sein schien, welchen Film er da tatsächlich gerade dreht, während Svenson versucht einen Russen auf nicht sehr überzeugende Art und Weise zu verkörpern. Man füge noch viele andere italienische Verrücktheiten (wurde die mit dem Hai bereits erwähnt?!), einiges an cooler Location-Arbeit und eine exzellente Filmmusik hinzu, die die Action wirklich antreibt (und wahrscheinlich aus einem anderen Film geklaut wurde!?) und heraus kommt Der Kampfgigant, ein exzellenter, italienisch aromatisierter, explosionsfreudiger Aktion-Flick … mit einem Hai-Kampf!!!

Der Kampfgigant erscheint erstmals im deutschsprachigen Raum als #02 der Cinestrange Extreme Edition Bahnhofskino in streng limitierten Mediabooks (2 Discs) auf BluRay und DVD. Mit dem Design der Edition hat man wirklich gute Arbeit geleistet, während sich über die Bildqualität der 16:9 PAL-Version diesmal ein wenig streiten lässt. Anders als bei Contaminator … die Mordmaschine aus der Zukunft zeigt sich das Bild hier nicht so gut restauriert, da an einigen Stellen doch immenses Grindhouse-Feeling aufkommt. Ansonsten kann die Bildqualität als durchaus brauchbar bis gut beschrieben werden. Beim Ton besteht allerdings kein Grund zur Beschwerde. Hier kann man zwischen der italienischen, englischen und deutschen Spur (2.0 Stereo) wählen, die sich alle mehr oder weniger gut hören lassen. Möchte man sich den Film lieber im Originalton ansehen, so stehen deutsche und englische Untertitel zur Verfügung. Als Extras gibt es neben einer Bildergalerie, alternativen Intros und einem Trailer, noch ein unterhaltsam geschriebenes sowie interessantes Booklet mit 24seitigem Text und dem Titel “Rambo auf italienisch – Ein Blick auf DER KAMPFGIGANT” von Nando Rohner zu lesen. Cinestrange Extreme gelingt eine tolle Veröffentlichung eines kleinen Actionreißers, der im Grunde genommen mal wieder vollkommenen Schwachsinn darstellt aber trotzdem zu unterhalten weiß. Exzellentes Bahnhofskino eben!

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Nicht geprüft
  • Regisseur : Mattei, Bruno
  • Laufzeit : 1 Stunde und 42 Minuten
  • Darsteller : O’Keefe, Miles, Pleasance, Donald, Svenson, Bo, Dell’Acqua, Ottaviano, Vanni, Massimo
  • Untertitel: : Deutsch, Englisch
  • Sprache, : Italienisch (Stereo 2.0), Englisch (Stereo 2.0), Deutsch (Stereo 2.0)
  • Studio : Cinestrange Extreme

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Cinestrange Extreme zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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Eine Antwort

  1. 9. November 2020

    […] Auch mal im Kino gesehen und das sogar auf 35mm: „Der Kampfgigant“. Ein schöner Spaß, über den auch Bluntwolf auf Nischenkino schreibt. Bezüglich seiner ansonsten […]

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