Die drei Gesichter der Furcht

Die drei Gesichter der Furcht (I tre … die paura) ist eine Kurzfilm-Anthologie von Regiemeister Mario Bava (Baron Blood) aus dem Jahr 1963. Als aktuellster Teil der hervorragenden Koch Media Mario Bava Collection erscheint dieses Kleinod um die Herzen der Fans zum Leuchten zu bringen, und Lücken in den Regalen der Sammler und Cineasten.

Obgleich man Boris Karloff als Erzählmeister für die drei Geschichten verpflichtet hat, der von Geistern und Vampiren redet um dem Zuschauer Angst zu machen, ist die erste Geschichte „Il Telefono“ voll und ganz ein Giallo (reduziert auf 25 Minuten). Die junge Rosy, gespielt von Michele Mercier (Friedhof ohne Kreuze), kommt eines Abends nach Hause und bekommt obszöne Telefonanrufe. Der Unbekannte will sie ermorden, beobachtet jeden Schritt…. vor Angst ruft sie ihre alte Freundin an, doch die Gefahr ist damit nicht gebannt…..

Zeitgenössische Musik, gutes Bühnenbild, eine bildhübsche Diva der 60er Jahre im Nachthemd, als ob der Film nicht ohnehin attraktiv wäre. Giallo Fans bekommen hier erstmal den ganzen Strauß: Messer, schwarze Handschuhe, die „Damsel in Distress“, ein unbekannter Killer, ein klein wenig nackte Haut. Der Film hat ein paar Twists, bleibt am Ende aber aufgrund der Kürze etwas auf halber Strecke am Wegrand liegen. Schade, das minimalistische Konzept hätte auch als vollwertiger Film funktioniert. Übrigens (siehe dazu weiter unten), hat man die US-Version dieses Kurzfilms ordentlich umgemodelt um aus dem Giallo eine Art Mysteryfilm zu machen.

Der zweite Film ist „I Wurdilak“, in dem Bava schon etwas mehr seine Geistergotik ausleben kann. Mark Damon (Johnny Oro, Das Boot) spielt darin den Grafen d’Urfe der zu Pferde auf der Durchreise eine geköpfte Leiche und einen Krummdolch darin steckend auffindet. Als er in einer einsamen Hütte einkehrt, findet er dort eine Großfamilie wieder, die auf den alten Vater (Boris Karloff) wartet. Sollte der nicht in genau fünf Tagen zurück sein, müssen sie das schlimmste vermuten. Als er Schlag Mitternacht zurückkehrt, sind alle unsicher. Ist der seltsame alte, verwundete, Mann noch der Großvater? Erst stirbt einer der Söhne, dann das Enkelkind… der Graf, der sich in die blonde Tochter Sdenka (Susy Andersen) verliebt hat, sieht nur noch die Flucht als Ausweg… doch es gibt kein entrinnen.

Diesmal ein waschechter Gothic Horror auf knapp über einer halben Stunde, mit viel Spinnweben, stürmischem Wetter, Vampirgesichtern vor dem Fenster und einem Creepy Kid. Na wer sagts denn, das ist schon mehr der klassische Bava. Allerdings zieht diese Sorte Geistergeschichte nicht mehr so wie früher, und sie ist ein wenig zu vorhersehbar. Die Effekte sind aber immer noch ein ziemlicher Hit und das Bühnenbild ist erstaunlich. Wie immer bei Bava ist natürlich auch hier das Spiel aus Licht und Schatten besonders nett, und ein paar Tumbleweeds dürfen auch nicht fehlen.

Der dritte Streich heißt „La Goccia d’Acqua“ (Der Wassertropfen). In dieser letzten halben Stunde muss Krankenschwester Helen Chester (Jacqueline Perrieux) spät des Nachts nochmal raus, um die verstorbene Gutsherrin in ihr Totenkleid zu packen, da sie wohl beim Kartenlesen verstorben ist. Das Hausmädchen ist vor Angst gar nicht bereit in das Schlafzimmer zu kommen. Als Helen der Toten den Ring stiehlt, ahnt sie nicht welch Schicksal sie damit für sich selbst herauf beschwört, und sie damit ihr eigenes grausames Ende besiegelt…..

Wer Bava mag, wird hier seine Freude dran finden. Dieser letzte Abschnitt hat es eigentlich auch faustdick hinter den Ohren (in der US-Version kommt dieser als erstes), ist in meinen Augen aber das schwächste Element der Anthologie. Die Sets sind meisterlich, der Anfang erinnert ein wenig an Hitchcock. Dabei ist Bava hier sehr zurückhaltend, der Horror angedeutet, man erwartet als Zuschauer eigentlich viel mehr als man dann an Schockmomenten geboten kriegt. Außerdem ist man irgendwie gar nicht auf der Seite der Protagonistin. Hokuspokus hin oder her, immerhin hat sie den Ringe geklaut, und das muss sie büßen…

Die US Version ist neben einer stark abgewandelten (aber grundsätzlich sehr guten) Synchronfassung, einem neuen Soundtrack und weniger Gewaltszenen das Resultat einiger weiterer Modifikationen die AIP hat machen lassen, um den Film dem amerikanischen Markt anzugleichen. So erkennt man diese heute an dem MGM Löwen und AIP Logo, aber vor allem „Il Telefono“ ist ein ganz anderer Film, mit weniger sexuellen Untertönen und mehr pseudo-Mystik, u.a. durch eine eigene übermäßig erklärende eigene Intro mit Karloff und zusätzlichem Filmmaterial. Außerdem hat der Film andere Titelsequenzen und die Intro mit Karloff ist ebenfalls anders (umfangreicher auch). Auf dieser Veröffentlichung kann man die US-Fassung nur auf Englisch, und die europäische Fassung nicht auf Englisch, sehen. Die US Fassung ordnet die Einzelgeschichten zudem anders an, sie beginnt mit den Wassertropfen und schließt mit dem Wurdilak. Ich bin etwas hin und her gerissen. Die US Fassung hat ihren ganz eigenen Charme, eine gute Synchro und sieht auf BluRay ebenso gut aus. Ich denke man kann beide gucken. Egal welche zuerst. Unterm Strich ist die europäische Fassung allerdings überlegen (was vor allem an Il Telefono liegt), nur schade dass man dafür nicht die englische Tonspur wählen kann.

Der Film der international auch als „Black Sabbath“ vertrieben wurde, nicht zu verwechseln mit seinem Black Sunday ist für mich zwar nicht sein herausragendstes Werk, aber insgesamt gehört Die Drei Gesichter der Furcht zumindest zu einem der interessantesten Mario Bava Produktionen. Handwerklich vor allem bieten alle drei Einträge der Anthologie wunderbare Momente die einerseits Bavas Kunstfertigkeit zeigen, andererseits sehr unterhaltsam den Charm dieses Genres wiedergeben. Der Anthologiefilm ist heute ja kein populäres Format mehr, und man könnte natürlich eine Träne weinen, weil Il Telefono kein kompletter Film ist, aber man kann hier die Bandbreite von Bavas kreativem Schaffen entdecken und wenn man sich ein wenig auch mit den Extras beschäftigt, allem voran dem Audiokommentar, versteht man auch gut warum dieser und einige andere Filme dieser Art, damals so erfolgreich waren. Daher mal mehr zur Bluray.

Die Europäische Version kann man Deutsch oder Italienisch sehen, mit optionalen deutschen Untertiteln, die US-Version hat nur eine englische Sprachoption (aber auch Untertitel). Der Ton ist grundsätzlich sehr gut, und auch die Bildqualität kann sehr überzeugen. Das Alter kann der Film natürlich nicht verbergen aber wie so oft ist es eine Freude, diese Bava-Klassiker derart restauriert zu bestaunen, da die Farbenfreude seiner Bildkunst und die Kontraste in den DVDs, TV- und VHS Versionen der letzten Jahrzehnte nie wirklich originalgetreu zur Geltung kamen. Koch präsentiert den Film hier in einer echt prima hochwertigen BluRay Version.

Der Audiokommentar von Bava-Kenner Tim Lucas kommentiert hier die europäische Fassung (einen Kommentar zur US-Fassung gibt es nicht) und hat natürlich ein wenig den amerikanischen Zuschauer im Sinn, für den er die Unterschiede auch darlegt. Ein hochgradig interessanter und sehr informativer Kommentar, wie so oft. Lucas kennt sich auch sehr gut mit der Handwerkskunst von Bava aus, nicht nur den Hintergründen, also ist das auch für Filmkenner und Filmemacher interessant um zu verstehen mit welchen Tricks Bava gearbeitet hat. Auf der Scheibe sind außerdem noch der italienische, deutsche und englische Trailer des Films enthalten, TV-Spots, ein Radio-Spot, der alternative deutsche Vorspann (Qualität ist in Ordnung) und eine Bildergalerie.

Es liegen zwei DVDs bei. Die eine enthält die europäische Fassung und als Extras diejenigen der BluRay (inkl. Audiokommentar). Die zweite DVD enthält die US-Fassung und als Extras das Featurette „Sabbath, Bloody Sabbath“ (15min) mit Filmhistoriker Ristori mit einigen Hintergründen zum Entstehen des Films und wissenswerten Infos zu den drei Teilen; sowie ein Interview mit Mark Damon (21min) in dem der (wie so oft) sehr von sich überzeugte Schauspieler und vor allem Produzent über sein Lebenswerk erzählt und auch auf diesen Film eingeht. Wer bisherige Interviews mit Damon kennt wird hier nicht so viel neues entdecken, außerdem war das Interview schon auf Veröffentlichungen von Anchor Bay enthalten, aber es ist immer noch informativ und enthält auch viele Filmausschnitte aus seiner Karriere.

Fazit: Es scheint noch etwas unklar, wie lange die Reihe von Koch noch weitergeht, aber so lange Qualität und Ausstattung so hervorragend sind möchte man hoffen dass das ganze Werk des Regisseurs in dem Rahmen erscheint. Fans und Filmkenner können hier blind zugreifen, was soll man sonst sagen 🙂

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Die BluRay/DVD wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 7. Januar 2018

    […] Die drei Gesichter der Furcht […]

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