Die Killermafia

Polizio

Italien wird durch eine Serie rätselhafter Mordanschläge schockiert. Ein riesiges Polizeiaufgebot mit ganzen Hubschrauberstaffeln wird eingesetzt, um den Tätern auf die Spur zu kommen. Kommissar Solmi, Spezialist in der Bekämpfung des organisierten Verbrechens im inneren des Landes, wird aus Mailand eingeflogen um in der Sache zu ermitteln. Neben korrupten Beamten und geschmierten Polizisten stößt Solmi schließlich im Keller eines Mordopfers auf dubiose Tonbänder, die auf einen großen, zeitnahen Waffendeal hindeuten. Solmi wittert eine Verschwörung, die weit über die Grenzen der Polizei hinausreicht, und gerät selbst ins Visier der Killer. Wieviel Wahrheit steckt hinter den Tonbändern und wem kann Solmi bei seinen Ermittlungen noch vertrauen? (filmArt)

Die Killermafia

Ich bin ein großer Fan von Regisseur Sergio Martino. Doch es ist ziemlich offensichtlich, dass seine Stärke bei der Inszenierung von Gialli (Der Schwanz des Skorpions, Torso, Der Killer von Wien etc.) und nicht von Polizeifilmen lag. Dieses Genre ist für ein hohes Maß an Actionsequenzen, so wie Verfolgungsjagten und Schießereien bekannt, die man in Die Killermafia leider beinahe gar nicht geboten bekommt. Der Originaltitel „La Polizia Accusa: Il Servizio Segreto Uccide“ (Die Polizei klagt an: Der Geheimdienst tötet) verspricht schon viel und macht Lust auf mehr, nur verliert sich der Film mehr oder weniger in seinen politischen Standpunkten und Botschaften, was letztendlich ein wenig enttäuscht. Zu Beginn bekommt der Zuschauer zwar einige brauchbare Mordszenen präsentiert (verschiedene „Regierungsmitglieder“ werden eliminiert) aber im weiteren Verlauf dieses Polizieschi zentriert sich die Geschichte um den Hauptprotagonisten Kommisar Solmi (Luc Merenda) und dessen Bemühungen eine Verschwörung aufzudecken, was alles nicht sonderlich aufregend und relativ leicht zu durchschauen ist. Je tiefer Solmi in seine Verschwörungstheorien eintaucht, umso mehr wird ihm klar, dass die Morde miteinander verknüpft sind und die Verschwörung weitere Kreise schlägt als er zuerst angenommen hat.

Die Killermafia

Obwohl Die Killermafia  (1975) mit einigen bekannten Schauspielern dieser Zeit aufwarten kann und diese ihren Job nicht schlecht machen, hat man auch schon Besseres von Tomas Milian oder Mel Ferrer gesehen. Milians Rolle ist hierbei für seine Verhältnisse sehr klein ausgefallen. Er verkörpert den zwielichtigen Geheimdienst Hauptmann Sperli, der eigentlich nur einen Nebencharakter darstellt. Mel Ferrer (Staatsanwalt Mannino) macht während des gesamten Films den Eindruck als wolle er nur schnell weg und kommt ziemlich gelangweilt rüber. Auf Luc Merenda, der in vielen weiteren Polizieschi (z.B. Der lautlose Killer oder Hetzjagd ohne Gnade; beide auch von Martino) und zuletzt in Hostel II mitgespielt hat, kann man eigentlich immer zählen und auch hier macht er seine Sache wirklich gut.

Die Killermafia

Die Schwachpunkte des Streifens liegen woanders. So sehr Sergio Martino es verstand Atmosphäre und Spannung in seinen Gialli (die zum größten Teil zu den besten des Genres gehören) zu kreieren, so sehr misslingt es ihm bei „Silent Action“. Wenn bei einem solchen Film schon die gewohnte Action zu kurz kommt, dann müssen wenigstens die Geschichte und die Charaktere interessant sein (so wie bei „Die Kröte“), um die Aufmerksamkeit des Zuschauers aufrechterhalten zu können. Leider bekommt dieser nie so richtig ein Gefühl für das „Korruptionselement“ des Plots und als man beginnt zu realisieren wie weit die Korruption reicht, hat man auch schon den Eindruck es würde eigentlich egal sein. Die Musik von Luciano Michelini passt gut zum Film, stellt aber nichts Außergewöhnliches dar. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, der Film ist weit davon entfernt schlecht zu sein und hat mit Sicherheit seine Momente aber ich hatte mir einfach etwas mehr von einem Film dieses Genres und einem Regisseur dieses Kalibers erwartet. Die Killermafia wird dieser hohen Erwartung leider nicht gerecht. Der beste Teil des Films ist der letzte, denn hier gibt es ein wenig Action zu bestaunen und man bekommt ein eher unerwartetes Ende geboten.

Die Killermafia

Abschließend bleibt zu schreiben, dass Die Killermafia nicht zu den besten Vertretern des Polizei- und Gangsterfilms gehört aber auch auf gar keinen Fall zu den schlechtesten. Für Fans des Genres sollte der Streifen sehr interessant sein. Ob jemand anderes etwas damit anfangen kann weiß ich nicht. Es muss sich sowieso jeder sein eigenes Urteil bilden.

Die DVD: Das Bild wird uns im 2,35:1 anamorphen Format präsentiert und sieht, abgesehen von kleineren Schwächen, wirklich gut aus. Bildschäden konnten weitestgehend entfernt werden, wobei man dem Film sein Alter zum Teil schon ansehen kann. Trotzdem gibt es beim Bild nichts weiter zu beanstanden. Leider muss man beim Ton Abstriche machen, denn es ist „nur“ eine deutsche Tonspur (1.0 Mono gefiltert und ungefiltert) vorhanden. Allerdings war es filmArt wegen Lizenzvereinbarungen, wie schon bei „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“, nicht möglich bzw. verboten den Originalton zu verwenden. Für nichtsynchronisierte Szenen sind deutsche Untertitel eingearbeitet. Als Extras wurden ein alternativer deutscher Anfang, der italienischen Kinotrailer, eine Trailer Show von anderen filmArt Titeln und ein sehr ausführliches sowie interessantes Booklet von Michael Cholewa in bzw. auf die DVD gepackt.Die Killermafia DVD

Urteil: Die Veröffentlichung der Nummer 002 der filmArt Polizieschi Edition kann als durchaus gelungen bezeichnet werden, auch wenn der Film an sich nicht zu den Besten des Genres gehört und wir von Sergio Martino normalerweise besseres gewohnt sind. Nichts destotrotz ist der Film solide inszeniert und bietet mal eine etwas andere Geschichte. Auch vom technischen Standpunkt aus kann man zufrieden sein, obwohl natürlich der Originalton fehlt. Warum wurde weiter oben bereits kurz erläutert. Ich bin jedenfalls sehr froh darüber, dass diese Art von Film (hähä, kleines Wortspiel) überhaupt herausgebracht wird und freue mich schon auf weitere tolle Veröffentlichungen in dem Bereich des Giallo und des Polizieschi aus dem Hause filmArt.

BEI AMAZON.DE KAUFEN

Diese DVD wurde freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte Dich auch interessieren …