Die Teufelsschlucht der wilden Wölfe / Il ritorno di Zanna Bianca / Challenge to White Fang

Der Schriftsteller Jason Scott (Franco Nero) hat mit seinem Abenteuerroman „Wolfsblut“ großen Erfolg und wird von der feinen Gesellschaft San Franciscos gefeiert. Doch das Leben und der Kampf ums Überleben am Klondike fehlen ihm und er sehnt sich nach neuen Abenteuern. Dawson City ist inzwischen verlassen, doch eine neue Goldgräberstadt ist Meilen weiter entstanden. Dort betreibt Schwester Evangelina (Virna Lisi) eine Krankenstation und trifft auf einen alten und totgeglaubten Feind: Beauty Smith (John Steiner). Aber der behauptet ein anderer zu sein und der örtliche Polizeichef bestätigt dies. Jason Scott und sein Freund Kurt Janson (Raimund Harmstorf) kommen Schwester Evangelina zu Hilfe und suchen Beauty Smith endlich zu überführen. Und sie treffen auf einen alten Freund: den Hund Wolfsblut, der sich inzwischen mit dem Jungen Bill (Renato Cestiè) angefreundet hat. Doch letztlich dreht sich am Klondike alles um Gold und ein mörderisches Schlittenrennen wird entscheiden, wem Glück und Reichtum winken und auf wen der kalte Tod in der unwirtlichen Schneelandschaft wartet. (Colosseo Film)

Was wäre, wenn der italienische Meister des Gore Lucio Fulci einen Hundeheldenfilm mit Django gedreht hätte? Nun, Fulci hatte bereits einen Film mit einem Hund als Helden gedreht, denn Die Teufelsschlucht der wilden Wölfe ist die Fortsetzung von Fulcis Original Zanna Bianca (Jack Londons Wolfsblut) aus dem Jahr 1973. Auch wenn man diesen ersten Film noch nicht gesehen haben sollte, kann man einen ziemlich guten Einblick davon bekommen, worum es geht, da Die Teufelsschlucht zu den Fortsetzungen zu zählen ist, die mühsam alle Elemente des Originals wieder zusammensetzen und dann bei square one von vorne beginnen. Hier wird zu Beginn eine Eskimofamilie (zu der auch der Wolfshund White Fang aka Wolfsblut gehört) von der Bande eines korrupten Händlers namens Forth (John Steiner) massakriert. Kurz darauf kommt ein alter Goldsucher namens Tarwater (Harry Carey Jr.) vorbei und bringt Wolfsblut zurück in sein Bergbaulager im Klondike, wo sich der Hund mit seinem jungen Enkel Bill (Renato Cestie) anfreundet.

Zurück in der Stadt trifft das Publikum auf Schwester Evangelina, die von der so berühmten, wie attraktiven Italienerin Virna Lisi in einer Wiederholung ihrer Rolle aus dem vorherigen Film gespielt wird. Evangelina erkennt in Forth (der sich zwischenzeitlich zu einem festen Bestandteil der Stadt gemausert hat) den Bösewicht aus dem ersten Film, Beauty Smith. Daraufhin ruft sie unseren Helden Jason Scott herbei, der von Old Blue Eyes selbst, Franco Nero, gespielt wird. Scott ist sowohl ein berühmter Abenteurer, als auch der ehemalige Hagiograph von Wolfsblut, der das Tier manchmal begleitet hat, um dessen Abenteuer für ein verehrtes Publikum aufzuzeichnen. Zusammen mit seinem mannhaften Trapper-Kumpel Kurt Jansen (Raimund Harmstorf) beschließt Scott herauszufinden was Smith in der Stadt vorhat. Was, wie sich herausstellt, nichts Gutes ist. Smith schließt Wucherverträge mit den Prospektoren ab und nimmt einen Löwenanteil ihrer Einnahmen als Gegenleistung für unzureichende Rationen und Vorräte, was zum Verlust von Menschenleben führt.

Steiners Beauty Smith ist verweichlicht sowie bösartig und gilt als besonders fieser Bösewicht im nominell familienfreundlichen Kontext von Die Teufelsschlucht der wilden Wölfe. Seine Vorstellung wirkt gut gegen Elemente wie Carlo Rustichellis irgendwie fröhlich lebhafte Musik und die unzähligen Tränenmomente, die „Der Junge und sein Hund“ hervorrufen, um den Film aus dem Vanille-Ödland zu retten. Es sollte auch erwähnt werden, dass Fulcis dunklere Gaben nicht vollständig verschwendet werden (obwohl keine zerrissenen Eingeweide in Sicht sind), da dem grimmigen und harten Leben an der Grenze ziemlich viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Im Laufe des Films erfrieren Prospektoren auf erschreckende Art und Weise in der Wildnis und es finden zwei Selbstmorde mit der Schrotflinte sowie eine Notfallamputation statt. An anderer Stelle erweist sich Fulcis Regie zwar als professionell, verkünstelt sich jedoch nicht, so dass der Film weder besonders schön noch unscheinbar wirkt. Die Action-Sequenzen – insbesondere ein packendes Schlittenrennen – wurden spannend inszeniert.

Was Wolfsblut selbst betrifft, so beeindruckt er diejenigen von uns, die über das atemberaubende natürliche Charisma eines Tierschauspielers wie Rin Tin Tin (1918-1932, ein männlicher deutscher Schäferhund, der ein internationaler Filmstar war) gelesen – oder es im Fall eines Pedro oder Moti selbst gesehen haben – nicht allzu sehr. Er kommt eher als das Maskottchen des Films, denn als dessen Star rüber, den wohl auch eindeutig Nero verkörpert. Zugegebenermaßen entlarvt der Hund in einer Szene einen Betrüger beim Kartenspiel, was sich als ziemlich ordentlicher Kniff erweist. An einem bestimmten Punkt des Films verteidigt er auch irgendwann den jungen Bill vor einem angreifenden Adler und verliert dabei sein Augenlicht, was beweist, dass nicht einmal die Augen eines Hundes vor Fulcis unvergänglichen Obsessionen sicher sind.

Doch die ungeheuerlichste gegen Augen gerichtete Gewalt, die Fulci in diesem Fall seinem Publikum antun möchte, betrifft deren Tränenkanäle, wie ein Sein Freund Jello (Old Yeller, 1957) Moment in letzter Minute des Streifens Schlussfolgerung zeigt. Es ist nicht zu leugnen, dass es etwas unreif und reduzierend anmutet, den Regisseur auf diese Art und Weise in eine Schublade zu stecken, doch gestaltet es sich auch durchaus als schwierig, einen solchen Moment anzusehen und zu wissen, dass dies ein Film war, der nach Lizard in a Woman’s Skin gedreht wurde und was als Fulcis Meisterwerk bezeichnet werden kann, Don’t Torture a Duckling. Zugegeben, während des gesamten Films wird viel an guter, mitreißender Unterhaltung gezeigt, es gibt jedoch sicherlich Momente, in denen weniger sentimentale Zuschauer den „Splitter“ bevorzugen.

Colosseo präsentiert Die Teufelsschlucht der wilden Wölfe erstmals ungekürzt als restaurierte High Definition 4K-Neuabtastung, die wirklich sehr gut gelungen ist. Das Bild (1.85:1) sieht super aus und gibt keinen Anlass zum Meckern. Es ist klar, die Farben froh und der Kontrast ordentlich. Auch Bildschäden konnten so gut wie komplett entfernt werden. Beim Ton liegen mit der deutschen, englischen und italienischen gleich drei Spuren vor. Für Freunde des italienischen Originaltons sind deutsche und italienische Untertitel anwählbar. Die Extras bestehen aus den italienischen und englischen Kinotrailern, einer Fotogalerie mit seltenem Bildmaterial, einem Interview mit Franco Nero und einem 16-seitigen Booklet verfasst von unserem Autorenfreund Gerald Kuklinski (Italo-Cinema.de). Neben einer Menge Informationen über Film, Regisseur und Schauspieler wartet das wunderbar designte Booklet mit einer Fülle an Bildern auf. Die Scheibe wird in einem sehr ansprechend gestalteten Pappschuber ausgeliefert, der in keinem Sammlerregal fehlen darf. Glücklicherweise ist das FSK-Logo nicht, wie auf den Bildern zu sehen, direkt auf den Schuber gedruckt und auch ein Wendecover wurde nicht vergessen. Abschließend bleibt festzuhalten, dass kein Italo-Western Fan oder gar Sammler an dieser Veröffentlichung vorbeikommt. Der Film ist bisher in noch keiner besseren Verfassung erhältlich gewesen und wird es vermutlich auch in Zukunft nicht sein. Hier kann man nicht anders, als eine Kaufempfehlung auszusprechen.

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Darsteller: Franco Nero, Raimund Harmstorf, Hannelore Elsner, Virna Lisi, Geoffrey Lewis
Regisseur(e): Ken Olin, Lucio Fulci
Format: Breitbild
Sprache: Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Colosseo Film
Produktionsjahr: 1974
Spieldauer: 98 Minuten

Auch auf DVD erhältlich

Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von Colosseo Film zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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