Die Todeshand des gelben Adlers / Jiao tou / The Kung-Fu Instructor

Dem gelben Adler war bisher noch kein Gegner gewachsen. Jeder Kämpfer, der es mit dem Herrscher über eine Killerbande aufnahm, bezahlte die Herausforderung mit seinem Leben. Doch ein Mann lässt sich nicht einschüchtern – der Kung Fu Instruktor. Seine Waffen sind sein Kampf gestählter Körper und die alten Kampftechniken der Shaolin. Wird es ihm gelingen mit dem Verbrecher fertig zu werden?

Nur wenige Regisseure, die unter dem Banner der Shaw Brothers Studios arbeiteten, konnten von sich behaupten das Kampfkunst-Genre genau verstanden zu haben, wobei sich noch weniger jemals der stattlichen Eleganz von Sun Chung nähern konnten. In seiner besten Form erhob Chung den üblichen Dünkel des Genres von Gut gegen Böse zu etwas Vielschichtigem, das Themen erforschte, die von seinen Zeitgenossen oft ignoriert wurden. Die Todeshand des gelben Adlers mag diesen Ruf zwar nicht so zementieren, wie es Leng xue shi san ying (Der Schrei des gelben Adlers, 1978) getan hat, doch der Streifen stellt immer noch eine faszinierende Arbeit dar.

Die Zhous und die Mengs sind verhasste Rivalen, deren gegenseitige Feindseligkeit die Stadt, in der sie leben, langsam zerstört. Während die Zhous ansonsten friedlich sind, werden die Mengs von dem Wunsch aufgefressen, die Stadt zu kontrollieren und sind bereit die Fehde mit fairen oder unlauteren Mitteln zu beenden. In diesem Sinne reist ihr Chef in ein entferntes Dorf, um sich die Dienste des bekannten Ausbilders Wang Yang (Ti Lung) zu sichern und die Oberhand im Konflikt mit den Zhous zu gewinnen. Der ehrenwerte Wang Yang zögert jedoch seine Heimat zu verlassen und ist noch weniger dazu bereit sich in den schwierigen Clankrieg verwickeln zu lassen, aber ein teuflischer Plan des Anführers der Mengs zwingt ihn letztendlich dazu. Obwohl Wang Yang jetzt der offizielle Ausbilder des Meng-Clans ist, kann er sich mit dem aggressiven Verhalten seiner neuen Schüler nicht anfreunden und weigert sich, ihnen die verborgenen Geheimnisse seines Stils beizubringen. Weitere Komplikationen ergeben sich, als Yang Zhou Ping als seinen Schüler annimmt und somit die langjährige Rivalität zum Leidwesen seiner Arbeitgeber ignoriert. Die düstere Politik der Situation erhöht den Stress des ehrwürdigen Meisters ebenso wie die allmähliche Erkenntnis, dass die Probleme, mit denen er in seiner früheren Residenz konfrontiert war, möglicherweise künstlich erzeugt worden sind.

Die Todeshand des gelben Adlers ist ein Film mit einer relativ ungewöhnlichen Handlung und einigen ablenkenden Mängeln, der sich stark auf seine erstklassige Besetzung und starke Regie stützt. Stellt man diese oben genannten Stärken in den Mittelpunkt, gestaltet es sich einfacher, einige flache „Schlüsselfiguren“ sowie Plot-Holes vergessen zu machen. Ti Lung wird normalerweise als der bescheidene Meister eingesetzt, der von schändlichen Mächten als Bauer in einem Schachspiel um Macht benutzt wird, während er vom Genre-Veteranen Ku Feng fachmännisch herausgefordert wird. Die Szenen mit den beiden erhöhen die Spannung für die unvermeidliche endgültige Konfrontation – die Tatsache, dass Fengs Fähigkeiten sparsam eingesetzt werden, bedeutet, dass er eine gewisse Bedrohung erzeugt, sobald er auf dem Bildschirm auftaucht. Der klimatische Kampf zwischen den beiden Kräften entfesselt die aufgestaute Feindseligkeit, die sie empfinden und den Wunsch des Publikums, Wang Yang endlich bestätigt zu sehen.

So professionell wie Sung Chung als Filmemacher auch sein mag, hat Die Todeshand des gelben Adlers trotzdem noch die oben genannten Schwächen und Schwierigkeiten, vor allem alle Handlungspunkte vernünftig miteinander zu verbinden. Das abrupte Ende lässt eine ganze Reihe von Fragen offen und ignoriert das vom gefürchteten Meng-Führer in Gang gesetzte machiavellistische Schema völlig. Obwohl sein Name beschmutzt wurde und die Behörden ihn jagen, scheint Wang Yang für unschuldig erklärt zu werden, nur weil er seinen Erzfeind besiegt hat – den Strafverfolgungsbehörden wird nie mitgeteilt, was wirklich passiert ist. Während des Finales werden noch zusätzlich wichtige Nebenhandlungen ignoriert und bedeutende Nebenfiguren verschwinden einfach aus dem Blickfeld. Die Spannung zwischen Yang und einem verbitterten Liebesrivalen, zum Beispiel, kommt trotz einiger beiläufiger Szenen, die als Setup verwendet werden, nie zu einem Ergebnis.

Bei Die Todeshand des gelben Adlers fehlt vielleicht der prägnante Biss der großen Sun Chung-Werke (Notorious Eight, My Rebellious Son, Chun Fang – Das blutige Geheimnis oder The Master Strikes Back), doch der Regisseur kann immer noch sehr zufrieden damit sein, ein selbstbewusstes Werk aus einfachen Zutaten hergestellt zu haben. Die Choreografie wird im Verlauf der Geschichte immer knackiger und führt trotz einiger großer Schwächen zu einem soliden Showdown. Die Meister-Schüler-Dynamik wird hier noch einmal recycelt, aber Sun Chung gelingt es solche Klischees auf eine andere Ebene zu heben, die einige seiner Regie-Kollegen nie ganz erreicht haben. Die Todeshand des gelben Adlers kann als schicke Genre-Kost bezeichnet werden, die zwar nicht zu den ganz Großen gezählt werden, aber dennoch beträchtliches Interesse erzeugen kann.

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Genre: Action
Regie: Suen Chung
Hauptdarsteller: Ti Lung, Wong Yu, Ku Feng

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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