Die Wannseekonferenz / Conspiracy

Am 20. Januar 1942 treffen sich am Wannsee in Berlin 15 hochrangige Nazifunktionäre auf Grund einer Einladung von SS-Obergruppenführer und Vorsitzender des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich, der zusammen mit seinem Stellvertreter SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann die geheime Konferenz auf den Weg brachte. In weniger als zwei Stunden lassen sie sich von den dreizehn weiteren Männern das bestätigen, was in Berlin von Hitler und Göring eh schon beschlossen war: Die Vernichtung aller Juden in Europa. (Savoy Film)

Fünfzehn Männer treffen sich zu einem langweilig klingenden Meeting, das jetzt als „Wannsee-Konferenz“ bezeichnet wird. Sie rauchen, trinken, essen, streiten und stimmen schließlich zu (oder sind gezwungen, zuzustimmen). Das direkte Resultat dieses Treffens ist die Vernichtung von sechs Millionen Männern, Frauen und Kindern. Als die deutsche Armee bei ihrem Versuch, Moskau zu erreichen, ins Stocken kommt, gerät das Problem mit den Juden außer Kontrolle und verbraucht die Ressourcen der Nazis. Adolf Hitler befiehlt einer Gruppe von Männern sich heimlich zu treffen, um die endgültige Lösung des Judenproblems zu diskutieren. Dieser Film, der auf dem einzigen erhaltenen Protokoll des Treffens basiert, zeigt auf, dass nicht alle Teilnehmenden dem dort getroffenen Beschluss mit Begeisterung zugestimmt haben, sondern letztendlich mehr oder weniger dazu gezwungen worden sind.

Kenneth Branagh spielt Obergruppenführer Heydrich, den militärischen Architekten des Plans, mit dem loyalen Obersturmbannführer Adolf Eichmann (Stanley Tucci) an seiner Seite. Dr. Wilhelm Stuckart (Colin Firth) und Dr. Wilhelm Kritzinger (David Threlfall) kritisieren Heydrichs Vorhaben und äußern berechtigte Zweifel, da sie sich um die Rechtmäßigkeit einer Aktion wie der „Evakuierung“ von elf Millionen Juden sorgen. Das ursprüngliche Treffen dauerte nur zwei Stunden, der Film läuft fünfundneunzig Minuten, doch das Publikum wird der Streifen nach dem Anschauen noch tagelang beschäftigen.

Frank Pierson drehte den gesamten Film, recht geschickt, in nur wenigen Räumen und einigen kurzen Außenaufnahmen, weswegen sich schon bald so etwas wie Klaustrophobie einstellt, ähnlich wie bei Die zwölf Geschworenen (1957). Die gesamte Besetzung spielt brillant, wobei Branagh ganz besonders hervorsticht, weil er das Böse so charismatisch darzustellen vermag. Stanley Tucci, der Eichmann als humorlosen Effizienten spielt, der nur Befehle befolgt, versteht es beinahe ebenso gut sich etwas von seinen Schauspielkollegen abzusetzen. Loring Mandels Drehbuch zeigt sofort die Spaltung zwischen Militär und Politik auf, wobei das Militär im Grunde genommen die Kontrolle über die Endlösung übernimmt.

Der gruseligste Aspekt des Films sind Szenen, in denen Adolf Eichmann erläutert, was einen Menschen (in den Augen der Nazis) zu einem Juden macht oder die Sequenzen, die klar aufzeigen, dass die sogenannte Endlösung bereits beschlossene Sache gewesen ist, bevor Heydrich und Eichmann die Zustimmung der Konferenz-Teilnehmer eingeholt haben: Die sogenannten Vernichtungslager, in denen elfeinhalb Millionen Juden innerhalb eines Jahres mit Gas ermordet werden sollten, um den Kontinent von ihnen zu „säubern“, standen zu diesem Zeitpunkt bereits in Planung. Das Treffen wurde unter dem Vorwand einberufen, einen Weg finden zu können, den Kontinent von der jüdischen Rasse zu befreien, wobei viele der beteiligten Militärs bereits ihre Marschbefehle darüber erhalten hatten, was sie diesbezüglich tun sollten und wie sie es tun sollten. Tuccis Zahlenangaben über Tausende von polnischen Geisteskranken, die bereits mit Kohlenmonoxid vergast wurden, stellen sich schon erschreckend genug dar, doch wenn einige Männer danach beginnen über die Farbe der vergasten Körper zu scherzen, ist das schon schwierig zu ertragen.

Die Wannseekonferenz sollte fester Bestandteil des Themas Zweiter Weltkrieg im Schulunterricht sein, damit sie in ihrer Ungeheuerlichkeit nicht in Vergessenheit geraten kann. Jeder Aspekt des Films funktioniert. Sehr wahrscheinlich wird man sich nach dem Konsum enorm darüber wundern, wie viele der Teilnehmer den Krieg überstanden haben und in das zivile Leben zurückkehren konnten, um noch Jahrzehnte nach dem Beschluss dieses Treffens unbehelligt weiterleben zu können. Ein HBO-Film, der wirklich verstört.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.77:1, 16:9 – 1.78:1
  • Alterseinstufung:‎ Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Frank Pierson
  • Medienformat: ‎Dolby, PAL
  • Laufzeit: 1 Stunde und 32 Minuten
  • Darsteller: Kenneth Branagh, Stanley Tucci, Colin Firth, Ben Daniels, David Threlfall
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Savoy Film

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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