Fantasy Film Fest: High-Rise

Der Chirurg Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) bezieht seine neue Wohnung im 25. Stock eines von fünf neuen Wolkenkratzern im London von 1975, die so konzipiert sind, dass diese alles bieten was man zum Leben braucht, allerdings je weiter oben, desto teurer der Spaß. Charlotte Melville (Sienna Miller) wohnt über ihm, und ist so etwas wie die Partygöttin der oberen Mittelklasse. Irgend etwas verbindet sie außerdem mit Anthony Royal (Jeremy Irons), dem Architekten der High-Rises und Bewohner des Penthouses im obersten Stock, das regelmäßig Ort ausgiebiger luxuriöser Orgien der Oberschicht ist, der die Umtriebe weiter unten im Haus ein Dorn im Auge sind, vor allem da man deren Parties als Konkurrenz betrachtet. Laing kommt zuerst recht gut zurecht mit dem Dokumentarfilmer Wilder (Luke Evans), der lieber wild feiert als sich um seine schwangere Frau Helen (Elisabeth Moss) zu kümmern. Mit einem kleinen Stromausfall beginnt das Gebäude, sich ein eine bis zum Himmel reichende Hölle zu entwickeln….

High-Rise

Auf den Film hatte ich ja sehnlichst gewartet. Die großartigen Poster und der vielversprechende Trailer haben mich extrem neugierig gemacht auf einen sozialkritischen und utopischen Film mit erstklassigem Look und interessanter Besetzung. Herauskommen ist allerdings nicht so ganz was ich erwartet hatte. Kurzum, der Film ist zehnmal so abgedreht und düster wie ich es mir je denken hätte können. High-Rise ist fast schon eine Mischung aus Apocalypse Now, Ascension, Snowpiercer, Caligula, Mad Men und Brazil. Macht das Sinn? Ich weiß es nicht! Zwei Tage nach dem Film bin ich immer noch dabei, mir den Kopf zu zermartern. Ich war definitiv beeindruckt von der Arbeit die in diesem Werk steckt, von den klasse Sets zu den prima Kostümen und dem coolen Soundtrack. Regisseur Ben Wheatley (Kill List) hat sich hier richtig ausgetobt und einen ruhigen aber stetig bizarrer werdenden Drogentrip auf Film gebannt, an dem sich die Geister scheiden werden. Die künstlerischen Qualitäten stehen außer Frage, und es ist eine Freude, in diese krasse Welt von High-Rise einzutauchen, zu versuchen die Dynamiken zu verstehen, und sich gedanklich daran fest zu klammern, wie es wohl sein hätte können, wenn es nicht anders gekommen wäre. Man fühlt sich irgendwie eben wie der Architekt Royal. Leider versinkt High-Rise am Ende in Exzessen und Absurditäten, und ertrinkt somit tendenziell in seiner eigenen Parallelweit, denn eine Auflösung gibt es in dem Film immerhin nicht, der Höhepunkt auf den Wheatley hinarbeitet entgeht dem Zuschauer. Möglicherweise der einzige Schwachpunkt an dem Film, aber ein schwerwiegender. Willard darf in Apocalypse Now am Ende (je nach Version) Colonel Kurtz töten, aber Laing ist nicht Willard, seine Rolle ist unklar, seine Motivation vague, man kann sich nicht mit ihm identifizieren…. somit hat der Film etwas mehr von Terry Gilliams 12 Monkeys oder einem Film von David Lynch, ein sehr unbefriedigender Film, der zutiefst verstört aber gleichzeitig auch irgendwie fesselt und betört, sehr gut unterhält und einen anspringt. Ein Mindfuck der besonderen Art.

Den Roman von James G. Ballard kann man sich hier bei Amazon holen.

High-Rise startet leider erst am 30. Juni in den deutschen Kinos. Warm anziehen und rein! Hier der Trailer:

Alle meine diesjährigen Fantasy Film Fest Nights Kurzkritiken:
Veteran | The Lobster | High-Rise | Pandemic

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 18. April 2016

    […] Fantasy Filmfest Nights. Sebastian war da und hat für Nischenkino die J.G.Ballard-Verfilmung „High-Rise“, Yorgos Lanthimos Hollywood-Debüt „Lobster“, sowie den südkoreanischen „Veteran“ und […]