Geheimcode Wildgänse / Code Name: Wild Geese

Wenn es um Himmelfahrtskommandos geht, gibt es nur eine Gruppe, die dazu bereit ist: „DIE WILDGÄNSE“. Diese Söldnereinheit hat nur eins zu verkaufen: Ihr Leben. Der neue Auftrag lautet: Vernichtung des größten Heroinlagers in Indochinas „Goldenem Dreieck“. Vernichtung des tödlichen Nachschubs für die Märkte in Europa und den USA. Die Durchführung des Plans erscheint nahezu unmöglich. Da der „Wildgänse-Commander“ jedoch eine persönliche Rechnung, den Rauschgift-Tod seines Sohnes, zu begleichen hat, übernimmt er den schwierigen Auftrag. Der Vorstoß in den Dschungel beginnt. In einer Überraschungsaktion können die Söldner das erste Depot vernichten und bekommen Dokumente in die Hand, die auf ein zweites, größeres und besser gesichertes hinweisen… (Ascot Elite Home Entertainment)

Geheimcode: Wildgänse ist der erste von drei in Deutschland von Erwin C. Dietrich produzierten Söldnerfilmen (gefolgt von Kommando Leopard, 1985 und Der Commander, 1988), der unter der Regie des italienischen Kultfilmemachers Antonio Margheriti (unter seinem Pseudonym Anthony M. Dawson) entstanden ist. Der Film repräsentiert, obwohl er sich ein wenig formelhaft anfühlt, immer noch eine Menge an dummen, aktionsorientiertem Spaß. Ein Platoon von Söldnern, angeführt von Commander Robin Wesley (Lewis Collins), nähert sich schleichenderweise einem Haus auf dem Land und achtet dabei ganz speziell darauf, nicht von der Wachmannschaft entdeckt zu werden, während die Männer durch das Unterholz kriechen und sich hinter Bäumen verstecken. Plötzlich gibt Wesley den Befehl zum Angriff und die Hölle bricht los, Granaten gehen hoch und Kugeln fliegen durch die Luft. Doch so plötzlich das Chaos angefangen hat, so unversehens hört es auch wieder auf, wobei die Stille nur noch durch die Schreie eines Soldaten durchbrochen wird, der eine schwere Verletzung am Bein erlitten hat. Das Problem dabei ist, dass es sich bei der ganzen Angelegenheit „nur“ um eins von Wesleys Übungsmanövern handelt, wobei sich niemand hätte verletzen dürfen.

Ja, der Commander ist ein Typ, der seine Männer hart antreibt und von ihnen erwartet, dass sie ihre Missionen mit rücksichtsloser Effizienz und äußerster Gewalt angehen, denn schließlich schreiben wir hier über Bodie aus Die Profis (1977-1983). Wie auch immer, der Erfolg dieser britischen Action-Serie im Ausland bedeutete, dass Lewis Collins eine beachtliche Anhängerschaft auf dem Kontinent hatte, insbesondere in Westdeutschland. Als die Serie eingestellt wurde, folgte er dem Geld und drehte dort einige Schießfilm-Spektakel Koproduktionen zwischen Italien und Deutschland. Der Titel sollte dem Publikum vortäuschen, dass es sich um eine Fortsetzung von Die Wildgänse kommen (1978) handelt.

Hier gibt es also keine alternden Briten zu sehen, die sich mit afrikanischen Aufständen rumschlagen. Obwohl man angesichts der Tatsache, dass die eigentliche Fortsetzung dieses Films auch nicht viel mit seinem Vorgänger zu tun hat, schon verstehen kann, wie die Produzenten damit durchkamen, so zu tun, als sei er Teil des Franchise. Das bedeutet nun, es gibt zwar keine alternden britischen Stars zu bestaunen, doch dafür gibt es alternde internationale Stars zu sehen, die im europäischen Kino populär geworden waren. So bekam Herr Collins die Gelegenheit mit Ernest Borgnine (der eine schlecht beratene oben ohne Szene spendiert bekommt), Lee Van Cleef (der aussieht, als wäre er wirklich zu alt für diese Art von Arbeit) und Klaus Kinski zu spielen, der einen Engländer namens Charlton mimt.

Ob er jetzt nach Charlton Heston oder Bobby Charlton benannt wurde, wird nicht enthüllt, aber er wurde mit einem äußerst vornehmen Akzent ausgestattet, der ihn zumindest in der englisch synchronisierten Version enorm lächerlich erscheinen lässt. Allerdings jedoch nicht halb so lächerlich wie ein Teil der Dinge, die hier vor sich gehen und sich Plot schimpfen: Wesley und sein murrendes Team verschlägt es in Asiens Goldenes Dreieck, um dort den illegalen Drogenhandel zu stoppen – und zwar ein für alle mal. Borgnine kümmert sich dabei um die Regierungsgeschäfte und verbringt seine Szenen hauptsächlich in Büros, Van Cleef spielt den verurteilten Waffenschmuggler, der unter der Bedingung freigelassen wird, einen Hubschrauber zu fliegen und Kinski gibt doch tatsächlich vor ein ehrlicher Kerl zu sein, was sich im letzten Akt allerdings in Wohlgefallen auflöst. Mit von der Partie ist überraschenderweise auch Mimsy Farmer (Das Parfüm der Dame in Schwarz, Vier Fliegen auf Grauem Samt, Autopsy), die eine heroinabhängige Journalistin mimt, die von unseren Helden im Dschungel gerettet wird. Eine weitere Erklärung für ihre Anwesenheit gibt es nicht.

Geheimcode Wildgänse zeichnet sich hauptsächlich durch eine ganze Menge an Explosionen aus, die der erfahrene Regisseur Antonio Margheriti in seinem ersten Film mit Collins in die Laufzeit hineingequetscht hat. Dazu gehört natürlich ein explodierender Hubschrauber oder zumindest eine Explosion vor einem Hubschrauber, die man als Hubschrauberexplosion ausgeben kann. Punkte, die ebenfalls auf der Klischee-Checkliste abzuhaken sind, bestehen aus der Wache, die erschossen vom Aussichtsturm herunterfällt und natürlich eine Verfolgungsjagd. Jedoch keine gewöhnliche Verfolgungsjagd, denn diese hier stellt eine der lächerlichsten der Kinogeschichte dar, wenn der verfolgte Collins in einen Tunnel und dann gut zweihundert Meter entlang der konkaven Wand fährt, um zu fliehen – kein Wunder, dass Ernie währenddessen überrascht aus der Wäsche guckt. Allerdings wurde dieser Effekt nicht mit einem Stunt-Team realisiert, das der Schwerkraft trotzt, sondern mit Spielzeugautos und einem Modellsatz, was das Ganze sogar noch absurder gestaltet, obwohl dieses „set-piece“ sicherlich einen der Höhepunkte repräsentiert, neben den seltenen Szenen, welche die Veteranen miteinander teilen. Ansonsten strenges (aber ziemlich unterhaltsames) ho-hum Boom Bang-a-Bang Material, in dem einige deutsche Schauspieler und Synchronsprechergrößen wie Manfred Lehmann, Thomas Danneberg, Frank Glaubrecht, Wolfgang Pampel und Hartmut Neugebauer mitspielen durften und ihre Sache gar nicht so schlecht machen. Ach ja, Luciano Pigozzi ist selbstverständlich auch wieder mit an Board. Diesmal übernimmt er die Rolle eines Priesters.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : Anthony M. Dawson
  • Medienformat : PAL, Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 41 Minuten
  • Erscheinungstermin : 13. Mai 2014
  • Darsteller : Lewis Collins, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Klaus Kinski, Manfred Lehmann
  • Sprache, : Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0), Spanisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio : Ascot Elite Home Entertainment

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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