Extreme Prejudice (Ausgelöscht)

Extreme Prejudice

Extreme Prejudice (aka Ausgelöscht) ist ein Actionkrimi von Walter Hill aus dem Jahr 1987. Jack Benteen (Nick Nolte) ist Texas Ranger, der gegen den Drogenhändler Cash Bailey (Powers Boothe) vorgeht. Der schmuggelt Drogen über die Grenze und missbraucht kleine Banken in der Gegend zur Geldwäsche. Der toughe Gesetzeshüter hat eine schlecht laufende Beziehung mit Sarita (Maria Conchita Alonso), die aber auch ebenso eine Affaire mit Bailey pflegt. Denn die beiden sind alte Bekannte, die lediglich unterschiedliche Pfade im Leben eingeschlagen haben. Bei einem gescheiterten Banküberfall nimmt Benteen zwei Leute fest, von denen sich herausstellt dass sie eigentlich schon seit langem tot sein sollten. Das bringt ihn mit Major Paul Hackett (Michael Ironside) zusammen, der auf dem Papier auch nicht mehr lebt, und eine Elitetruppe aufgestellt hatte, um Bailey das Geschäft lahm zu legen. Die beiden gehen eine nicht auf besonders viel Vertrauen aufbauende Kooperation ein, und infiltrieren Baileys Festung in Mexiko…. doch dann stellt sich heraus dass Hackett andere Motive hegt.

Extreme Prejudice

Walter Hill (Hard Times, Driver) ist einer meiner Lieblingsregisseure. Der Mann hat eine Filmographie voller hochwertiger, grimmiger und ihre Zeit überdauernder Werke geschaffen, die hohen Unterhaltungswert mit Tiefgang, Charakter und Atmosphäre verbinden. Ursprünglich für die Leinwand geschrieben von John Milius, der im Drehbuch für Apocalypse Now Captain Willard damit beauftragen lässt, Col. Kurtz mit „extreme prejudice“ zu erledigen,  dann aber verschiedentlich abgeändert, wurde aus Extreme Prejudice ein von Mario Kassars Carolco Pictures produzierter rauhbeiniger Actionstreifen mit einer dicken Dosis Vigilante-Kino. Das Gesetz ohnmächtig im Angesicht von Gier, Natur, Politik und Brutalität, verkörpert von imperfekten Antihelden, Rächern oder pflichtbewussten Soldaten. Das passte irgendwie bei Last Man Standing, bei Die letzten Amerikaner oder bei Nur 48 Stunden – alles Werke von Hill für die ich jeden Abend blind auf Play drücken würde, die mit jeder Betrachtung besser werden und nie ihren Reiz verlieren.

Extreme Prejudice

Mit von der Partie sind eine Reihe Glanzlichter der späten 80er, darunter der großartige Rip Torn als der örtliche Sheriff und Verbündete von Benteen, dazu aber auch unter anderem Clancy Brown (Starship Troopers), William Forsythe (Es war einmal in Amerika), Marco Rodriguez (Once Upon a Time… in Hollywood) oder Tony „Tiny“ Lister (Jackie Brown). Die Truppe natürlich angeführt von Powers Boothe (der die Hauptrolle in Die letzten Amerikaner spielte), der hier etwas zu dick aufträgt aber das passt irgendwie auch genau in das doch etwas überzeichnete Szenario Immerhin endet der Film quasi mit einer Invasion von Mexiko. Was etwas bitter aufstößt ist die Überladung der Story sowohl mit dem ganzen persönlichen Plot zwischen Benteen und Bailey inklusive dem nie richtig ausgearbeiteten gemeinsamen Geschichte mit Sarita, als auch dem ganzen Komplott mit der geheimen Söldnertruppe. Das macht den Film am Ende etwas überfrachtet und man hat das Gefühl Hill hat am Ende Mühen die Fäden zusammenzuführen um auch wirklich mit einem Knall zu enden.

Nick Nolte bietet hier eine relativ stoische Performance, bei der er neben Boothes erratischem Auftreten etwas ins Hintertreffen gerät, aber er verkörpert den harten Marshall recht gut, bis er denke ich auch erst wieder Jahre später durchaus wieder düsterere Charaktere übernahm, wie z.B. 1996 in dem hervorragenden Mulholland Falls (den ich aber auch sehr mag), denn dazwischen lag auch etwas leichtere Kost wie die Fortsetzung des brutalen Krimis mit komödiantischem Unterton zusammen mit Eddie Murphy, Another 48 Hours, oder die Romanze Lorenzos Öl.

Extreme Prejudice weiß mit cooler Action, brutaler Atmosphäre und einer spannenden Story zu überzeugen und hat zu Recht einen gewissen Kult Status inne, der auch ein wenig daher rührt dass der Film eine zu lange Zeit nicht wirklich einfach und in guter Qualität zu bekommen war. Das hat nun ein Ende und so steht einem derben Kinoabend nix mehr im Wege!

Extreme Prejudice

Der Film erscheint als Collectors Edition in zwei Mediabook Varianten (inklusive Booklet, das uns zur Bewertung nicht vorliegt) auf BluRay mit der DVD Version mit von der Partie.

Das Bild der BluRay kann gut überzeugen, obwohl man sich etwas mehr Schärfe hätte wünschen können. Insgesamt ist es farbenfroh, ziemlich frei von Schmutz und weist ordentliche Kontraste auf. Der Ton ist die Schwäche der Scheibe (Englisch getestet). Zwar ist es ein guter Stereo-Klang, allerdings weist die Spur wenig Wumms auf und man muss sie insgesamt sehr laut aufdrehen. Deutsch und Englisch sind je in 2.0 Stereoton enthalten, Untertitel gibt es auch sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch (lobenswert).

Zu den Extras gehört eine Vollbild-Fassung, wobei das eher nach Pan&Scan als Open-Matte aussieht. Außerdem gibt es ein Interview mit Walter Hill (40min, mit dt. UT) das einige Jahre alt ist, bei dem die Fragen aber als Text eingeblendet werden. Das Interview ist ziemlich aufschlussreich und zeigt Hill als reflektierten Künstler der viel über seine Einflüsse spricht, ein sehenswertes Interview mit viel cineastischer Aussagekraft um Hills Schaffen zu verstehen. Außerdem gibt es ein 6-minütiges TV-Making-Of von damals, den Trailer, den Teaser und eine Bildergalerie.

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Ausgeslöscht BluRay

Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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