Hügel der blutigen Stiefel / Zwei haun‘ auf den Putz / La collina degli stivali / Boot Hill

Eine Horde gesetzloser Killer terrorisiert eine ganze Goldgräberstadt und jagt den Revolverhelden Cat (Terence Hill). Der wird schwer verletzt und kann gerade noch bei einem Wanderzirkus Unterschlupf finden. Der Artist Tom (Woody Strode), der auch noch eine Rechnung mit der Bande der „Wölfe“ offen hat, schließt sich Cat und dessen alten Kumpel Dan (Bud Spencer) an. Sie wollen sich der mörderischen Auseinandersetzung mit den schießwütigen Gangstern stellen. (Koch Media GmbH)

Hügel der blutigen Stiefel repräsentiert den letzten Teil der Trilogie, die Terence Hill & Bud Spencer mit Regisseur Giuseppe Colizzi vor ihren berühmten Trinita-Filmen gedreht haben. Dabei handelt es sich um einen ziemlich ernsten Film, also wie die anderen beiden Einträge, Dio perdona… io no! (Gott vergibt, Django nie! / Zwei vom Affen gebissen = Komödien-Synchro) und I Quattro dell’Ave Maria (Vier für ein Ave Maria) wird er diejenigen enttäuschen, die eine Komödie erwarten. Doch keiner der Filme mit Hill & Spencer hat die Fans des Genres mehr gespalten als dieser. Viele Liebhaber sind der Meinung, dass Hügel der blutigen Stiefel einer ihrer schwächsten Filme sei, sogar einer der schlechtesten Italo-Western aller Zeiten, wobei der Streifen auch eine kleine sowie sehr treue Anhängerschaft hat, insbesondere unter Fans des Regisseurs. Die Eröffnungssequenz des Streifens ist als sehr intensiv zu bezeichnen. Hill wird von mehreren Gegnern in der Nähe eines Zirkuszeltes verfolgt. Im Inneren des Zeltes führen Akrobaten am Hochseil und am fliegenden Trapez ihre gefährliche Nummer vor. Indem Colizzi zwischen beiden Aktionen hin- und her springt, entsteht ein starkes Gefühl von Bedrohung. Es kommt einem so vor, als würde der verwundete Hill auf einem Hochseil umhertanzen und unmittelbar vor einem tödlichen Sturz stehen.

Hill gelingt es schließlich seinen Verfolgern zu entkommen, indem er sich in einem der Zirkuswagen versteckt. Er wird von den Zirkusleuten gesund gepflegt, doch seine Peiniger sind ihm noch immer auf den Fersen und als zwei von ihnen (Dino Strano und Romano Puppo) eines Abends den Zirkus betreten, wird einer der jungen Akrobaten getötet. Hill verbündet sich nun mit dem Kollegen sowie Freund des Opfers Tom (Woody Strode) und seinem ehemaligen Kumpel Dan (Bud Spencer), um sich den Tätern entgegenzustellen, nämlich einem Haufen von korrupten Landräubern, angeführt von einem Mann namens Honey Fisher (Victor Buono), die ehrliche Menschen um ihrem Besitz bringen. Ironischerweise war diese Eröffnungsszene überhaupt nicht geplant. Colizzi sollte eigentlich nur das Drehbuch schreiben und produzieren, doch als der ursprüngliche Regisseur des Films, Romolo Guerrieri (aus unbekannten Gründen) gefeuert wurde, übernahm er zusätzlich auch noch die Regieführung. Guerrieri hatte die meisten Szenen im Zirkus bereits gedreht und Colizzi gefielen sie sehr gut, er wusste jedoch nicht, an welcher Stelle er sie in den Film einfügen sollte, als er plötzlich auf die Idee kam, sie mit Szenen des verwundeten Hill zu überschneiden, der draußen vorm Zirkuszelt verfolgt wird.

Insgesamt kann Hügel der blutigen Stiefel als ein gut inszenierter Film bezeichnet werden. Die Szenen, in denen „Zwerge“ Trompete spielen, sind von einer beinahe surrealen Schönheit, die eines Fellini würdig ist. Allerdings ist der Film auch mit einigen Fehlern behaftet. Das Hauptproblem stellen ein unterentwickelter Mittelteil und eine ziemlich verworrene Handlung dar. Der Bösewicht Honey Fisher hat seine Männer auf ihn gehetzt, weil Hill im Besitz eines Anspruchs auf eine Goldmine ist, doch dieses Story-Element wird so vage behandelt, sodass man kaum eine Ahnung haben kann, worum sich der Plot eigentlich dreht. Es sind auch viele Hinweise auf Homosexualität vorhanden, die alles andere als subtil erscheinen, insbesondere in den Szenen, in denen George Eastman (alias Luigi Montefiori) als Spencers Mitbewohner bzw. Kumpel vorgestellt wird. Sein Name im Film lautet auf bezeichnende Art und Weise dann auch Baby-Doll. Die Zirkusszenen sind als bunt und lebendig zu beschreiben, die eigentliche Western-Geschichte mit Hill & Spencer ist jedoch finster und dunkel angelegt worden, sogar im wörtlichen Sinne, denn die meisten Szenen spielen bei Nacht. Diese Kombination spiegelt sich auch in der abwechselnd schrulligen sowie düsteren Musik wider.

Allerdings funktioniert sie nur in der Eröffnungssequenz recht gut, für den Rest des Films nicht allzu sehr. Das Finale im Zirkus geht auch nicht vernünftig auf und zu allem Überfluss stellt es noch nicht einmal das Ende des Films dar. Es folgt eine Trinita-artige Saloon-Schlägerei, die mit dem Rest des Films völlig inkompatibel zu sein scheint. Für einen Western fehlt Hügel der blutigen Stiefel außerdem ein wirklich guter Bösewicht. Der korpulente Victor Buono mag eventuell einen guten Schurken für eine Episode der 66er Batman-Serie abgeben, doch bei einem Spaghetti-Western erwartet man am Ende einen ordentlichen Showdown. Als Hill und er sich jedoch endlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, passiert leider tatsächlich nichts. Sollte Buono also ein Nachteil für den Streifen sein, so stellt Woody Strode eine Bereicherung dar. Diesem afro-amerikanischen Schauspieler war eine lange Karriere in seinem Heimatland beschieden, heutzutage wird er jedoch am meisten mit seiner Arbeit in Europa identifiziert, an erster Stelle natürlich mit der Eröffnungsszene aus Sergio Leones C’era una volta il West (Spiel mir das Lied vom Tod, 1968). In Hügel der blutigen Stiefel spielt er in großartiger Form auf. Kaum zu glauben, dass er bereits 55 Jahre alt war, als er diesen Film drehte. Neben den bereits erwähnten Dino Strano, Romano Puppo, Victor Buono, Luigi Montefiori und Woody Strode tauchen mit Glauco Onorato, Alberto Dell’Acqua, Lionel Stander, Franco Balducci und Luciano Rossi auch noch etliche weitere bekannte Genregesichter in Hügel der blutigen Stiefel auf.

Extras und Besonderheiten:

  • Trailer aus Deutschland, Italien, USA
  • 5 Schnittfassungen: 1. Original-Langfassung 2. BRD-Erstveröffentlichungsfassung 3. BRD-Wiederaufführungsfassung 4. DDR-Kinofassung 5. Super-8-Kurzfassung
  • Soundtrack-CD
  • 20seitiges Booklet mit dem interessanten sowie enorm informativen Essay Vier Fäuste starten durch – Die Anfänge des Gespanns Terence Hill und Bud Spencer von Autor Michael Hochhaus
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 12 Jahren
  • Regisseur: Colizzi, Giuseppe
  • Laufzeit:‎ 1 Stunde und 40 Minuten
  • Darsteller: Hill, Terence, Spencer, Bud, Strode, Woody
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Studio: Koch Media GmbH

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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