Summer Sway – Ein Heisser Sommer in Bangkok / Jane’s Summer / 제인의 썸머

Beim betrachten des Filmplakates, bzw. des Blu-Ray Covers von Summer Sway – ein Heisser Sommer in Bangkok könnte man womöglich auf eine falsche Fährte gelockt werden und assoziiert damit schnell eine typische 0815 Sonntagnachmittags – Romanze Made in USA. Allerdings wird dieser Film bei einem solchen Publikum wohl eher auf Ablehnung stoßen und wirklichen Cineasten möglicherweise verborgen bleiben, denn unter dem Cover und hinter dem Namen verbirgt sich ein cleveres koreanisches Erotik-Drama dass tiefer unter der Oberfläche kratzt.

Jane (Seo Na-young) ist frustriert. In ihrer Tanzkompanie wurde ihr nach einem weiteren Vortanzen wieder mal nur die Zweitbesetzung angeboten, dazu kommt noch der Druck ihrer psychisch labilen Mutter, die schon einen Suizidversuch hinter sich hat. Mit Alkohol und belanglosen One-Night-Stands versucht Jane der Härte des Lebens zu entfliehen. Als sie eines Abends mit ihrer Leidensgenossin Ji-woo (Kim Ha-rim) telefoniert, die das Tanzen aufgegeben hat und seither als Stewardess beschäftigt ist, entschließt sich Jane kurzerhand nach Bangkok zu reisen um sich dort mit Ji-woo zu treffen, da diese dort beruflich zu tun hat.

Während des Fluges macht Jane Bekanntschaft mit dem in Süd-Korea recht bekannten Rapper Rainfall (Lee Hae-jun). Dieser reist ebenfalls nach Bangkok um dort seinen guten Freund Summer (Baek Seung-heon) zu treffen. Summer ist ebenfalls Musiker, allerdings hat er seit einem Drogenskandal, der in den Medien hochgespielt wurde, keinen Song mehr geschrieben und verbringt seine Tage in seinem Sommerdomizil meist mit Alkohol und Schmerzmitteln. Als Rainfall und Summer in dessen Stammlokal dinieren, treffen sie auf Ji-woo und Jane, welche von Rainfall direkt wieder erkannt wurde. Die beiden Männer laden die Frauen ein, sich mit ihnen einen Tisch zu teilen. Noch während des Essen entstehen Spannungen zwischen den jungen Menschen die in den darauf folgenden Wochen in einer Suhle aus Leidenschaft, Sex, Misstrauen und Verzweiflung münden sollen.

Der 2020 erschienene Süd-Koreaner unter der Regie von Song Eun-joo (Sex Plate 17 2017) beginnt wie ein genretypisches Feel-Good-Movie und lässt dann mit dem Voranschreiten der Story (genauso wie seine Charaktere) immer mehr die Hüllen fallen. Im Mittelpunkt der Handlung steht hier eindeutig Jane, deren Charakterentwicklung fast schon wie eine mit R-Rating versehene freudsche Therapiestunde wirkt. Während sie anfangs eher kalt und emotionslos durch die Betten ihrer Tanzpartner geistert, wobei Sex für sie einfach nur ein Mittel zum Zweck ist ihrer trostlosen Realität zu entfliehen, bohrt sich die Kamera mit der Zeit immer tiefer unter die makellose Haut der hübschen Koreanerin bis in die ungeschützten Tiefen ihres Unterbewusstseins. Wenn Jane dann gegen Ende des Films völlig „nackt“ und der eigenen Ohnmacht nahe mit ihrem wahren Ich konfrontiert wird könnte man hier tatsächlich von einem Feel-Good-Faktor sprechen, denn das gibt dem Zuschauer das Gefühl nicht alleine zu sein

Gerade in Korea und anderen asiatischen Ländern ist der Erwartungsdruck auf junge Heranwachsende sehr groß und die Auswirkungen einer lieblosen Erziehung sind wahrscheinlich ein weltweites Phänomen (Problem). Diese Thematik wird hier auf clevere und mit Metaphern geschwängerte Art und Weise verarbeitet und bietet tatsächlich mehr als die übliche Küchenpsychologie.

Da bei einer Gesamtlaufzeit von 90 Minuten die Story zeittechnisch sehr limitiert ist und das Kapitel Jane nun mal im Fokus steht mussten bei den anderen drei Hauptrollen eben Abstriche beim Ausbau der Charaktertiefe gemacht werden. So wäre es interessant gewesen mehr über den Background von Ji-Woo und deren lesbischen Verhältnis mit Jane aus deren Teenagertagen zu erfahren und auch Summer hätte etwas mehr Fülle gut gestanden aber dafür hätte man die Story wohl auf 130 Minuten aufblasen müssen und möglicherweise hätte das den Erzählfluss gebremst.

Stieltechnisch könnte man Summer Sway – Ein Heisser Sommer in Bangkok irgendwo zwischen Mainstream und Arthaus verbuchen wobei der Indie Touch doch stets über dem Film schwebt. So sind die Erotik-Szenen wirklich sehr stilvoll und anregend umgesetzt worden und wirken zu keiner Zeit billig oder selbszweckhaft. Besonders kunstvoll wurde auch eine Rückblende gestaltet, in der sich Jane und Ji-Woo zum ersten mal während einer Tanzstunde näher kommen. Auch die letzte Einstellung des Films wirkt sehr künstlerisch und entlässt den Zuschauer, wenn dieser offenen Herzens an die Sache herangeht, mit einem guten Gefühl.

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  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Song Eun-ju
  • Medienformat: ‎Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 30 Minuten
  • Darsteller: Seo Na-young, Lee Hae-jun, Kim Ha-rim, Back Seung-heon
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: ‎Deutsch (DTS-HD 5.1), Koreanisch (DTS-HD 5.1)
  • Studio: Busch Media Group

Diese Blu-Ray wurde uns freundlicherweise von Busch Media Group zur Verfügung gestellt.

Mike

Mike ist leidenschaftlicher Teilzeitcineast und hat sich auf die freizügigere Art des Bahnhofskinos spezialisiert. Von Porn Chic und dem Pinku Eiga der 70er bis hin zum aktuellen erotischen Kinos nimmt er die verruchtesten Filme unter die Lupe.

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