Tote pflastern seinen Weg / Pronto ad uccidere / Risking / Meet him and die

VHS – Edition

Die Jagd nach den Hintermännern einer brutalen Mordserie wird für einen jungen Polizisten zur persönlichen Sache. Gewalt und Vergeltung steigern sich zu einem furiosen Höhepunkt. Ein explosiver Action-Krimi! (VPS-Video)

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Nach einem gescheiterten Raubüberfall auf einen Juwelier wird Massimo Torlani gefasst und ins Gefängnis geworfen. Dies gehört jedoch alles zu Kommissar Sacchis Plan, da Massimo eigentlich ein Undercover-Cop auf einer Mission ist. Er soll nämlich die Bande eines mächtigen Drogenhändlers namens Giulianelli infiltrieren, der im selben Gefängnis eine längere Haftstrafe verbüßen muss. Nachdem er in einem heftigen Kampf mit einem anderen Sträfling seinen Mut sowie seine Durchsetzungskraft bewiesen hat, wird Massimo von Giulianelli gebeten, ihn bei seiner Flucht aus dem Gefängnis zu begleiten. Der betagte Chef hat noch eine Rechnung mit seinem Rivalen „Bavoso“ zu begleichen, der ihn verraten und sein Drogengeschäft an sich gerissen hat. Die Flucht gelingt, obwohl Giulianelli in einem Hinterhalt von Bavosos Männern verwundet wird. Massimo fährt nun mit Giulianellis rechter Hand Piero nach Monte Carlo, um eine Ladung Drogen abzuholen, die an einen anderen Drogenboss, Perrone, geliefert werden soll, dessen Sekretärin eine Affäre mit Massimo hat. Während der Fahrt fliegt jedoch Massimos Tarnung auf, weswegen er Pietro erschießen muss. Der Truck wird von Perrones Bande gestohlen, doch Massimo gelingt es ihn zurückzuerobern. Kurz bevor Massimo von Perrone umgebracht werden kann, wird letzterer von seiner eigenen Sekretärin über den Jordan geschickt. Giulianelli wird schließlich festgenommen, doch die Drogen können nicht gefunden werden. Massimo entdeckt in letzter Sekunde, dass Perrones Sekretärin der wahre Kopf des Drogenrings ist.

In vielerlei Hinsicht markiert Franco Prosperis Tote pflastern seinen Weg einen Schritt nach vorne von dem Subgenre, das sich mit Spezialeinheiten der Polizei befasst (wie zum Beispiel Quelli della calibro 38 / Kaliber 38 – Genau zwischen die Augen, 1976). Als Massimo – der einsame Undercover-Cop, der den mächtigen Drogenboss Giulianelli (ein gelangweilt wirkender Martin Balsam) reinlegen will – spielt Ray Lovelock einen ausgesprochen zweideutigen, unangenehmen Charakter, der mehr mit der Rolle des blonden Schauspielers aus Ruggero Deodatos Uomini si nasce poliziotti si muore (Eiskalte Typen auf heißen Öfen, ebenfalls von Alberto Marras produziert) gemeinsam hat, als etwa mit denen aus Sergio Martinos Milano trema: la polizia vuole giustizia (The Violent Professionals, 1973). War der Undercover-Cop Giorgio Caneparo (Luc Merenda) in Martinos Film noch von einem starken Sinn für Gerechtigkeit angetrieben worden – auch wenn seine Methoden entschieden unorthodoxer Natur waren – nutzt Massimo in Prosperis Film seine Mission ganz offen dazu aus, um sich privat an zwei Männern zu rächen, die seine Mutter bei einem Raubüberfall angeschossen und sie somit zum Krüppel gemacht haben. Die dazugehörige blutige Zeitlupen-Rückblende, welche die Wut des Helden anheizt, kommt hin und wieder zum Einsatz. Der Verdacht, Massimo würde nicht nur versuchen seine Dämonen auszutreiben, kommt letztendlich nicht nur dem Publikum in den Sinn, sondern auch seinem direkten Vorgesetzten, Kommissar Sacchi (Riccardo Cucciola). „Du bist ein Unverantwortlicher, ein Verrückter! Du benutzt Gerechtigkeit, um Menschen zu töten und es sieht so aus, als würdest Du es genießen. Du bist ein wildes Tier!“

In einer vielleicht unbeabsichtigten Abweichung vom poliziotteschi Stereotypen wird der Kommissar zu einem umsichtigen, väterlichen Charakter – unterstützt von Cucciolas schlanker, unscheinbarer Figur, die ihn glaubhaft als Anwalt durchgehen lässt, als er Massimo im Gefängnis besucht – während sich der junge Agent in einen waffenverrückten, blutrünstigen „Verlorenen“ verwandelt. Denn Massimo zögert keine Sekunde jemanden zu ermorden. Um einen Schläger zum Reden zu bringen, schießt er ihm zunächst in die Schulter, doch als der antwortet: „Du kannst mich töten. Ich werde nicht reden“, tut er genau das auf kaltblütigste Art und Weise. Gewalt spielt wie immer eine große Rolle, mit reichlichem Einsatz von blood squibs und einer fiesen Aufnahme eines Kopfschusses in Zeitlupe. Tote pflastern seinen Weg stellt vielleicht den Punkt dar, an dem es für die poliziotteschi kein Zurück mehr gab, was den Umgang mit Gewalt betrifft, da sie Gerechtigkeit (wenn auch eine umstrittene, gewalttätige und private) nicht mehr als ehrenhaftes Ziel sowie nicht einmal mehr als „billigen“ Vorwand betrachteten. Im Gegensatz zu Deodatos Eiskalte Typen auf heißen Öfen wird dies weder durch einen Diskurs über die zweideutige moralische Herangehensweise des Genres noch durch einen Hauch von Ironie untermauert – obwohl der Moment, in dem Lovelock einen Kollegen (von der Polizei) einfach niederschlägt, der ihn auf der Straße erkennt und ihn freundlich grüßt, während er mit Piero (Heinz Domez) unterwegs ist, augenzwinkernd zum Lachen einlädt.

Tote pflastern seinen Weg porträtiert einen Helden, der völlig frei von jeglichem moralischen Imperativ ist und wirkt irgendwie wie eine moderne Interpretation von Spionagefilmen aus den 60er Jahren, jedoch ohne deren auffälliges exotisches Flair. Von solchen Vorgängern inspiriert aktualisiert das Drehbuch (das erste geschrieben vom obersten Schlockmeister Claudio Fragasso) jedoch den Charakter der glamourösen, zickigen sowie bösen Dame – hier eine eher unüberlegt besetzte Elke Sommer, deren Filmkarriere damals rückläufig war – schafft es aber nicht richtig, eine interessante Handlung um seine abschreckende Hauptfigur zu konzipieren und gipfelt in einem enttäuschend entwickelten Ende, in dem unser Hauptcharakter – Massimo wird seiner lang ersehnten Rache beraubt – die Geschichte nirgendwo hinführt. Francesco „Franco“ Prosperi – ehemals Mario Bavas Regieassistent und Veteran in Gangsterfilmen der 60er Jahre mit den bemerkenswerten Tecnica di un omicidio (Ich heiße John Harris, 1966) sowie Qualcuno ha tradito (Null Uhr 7 kommt John Harris, 1967) und nicht zu verwechseln mit Gualtiero Jacopettis Mitarbeiter des gleichen Namens – verleiht dem Film ein strammes Tempo und lässt viel Raum für akrobatische Stuntszenen, wie eine fünfminütige Verfolgungsjagd durch die Straßen Roms und eine andere aufwendige Verfolgungsjagd, bei der Lovelocks Stunt-Double über einen rasenden Lastwagen klettert. Prosperi präsentiert auch eine der krudesten Kampfszenen des Genres, die zwischen Massimo und dem behaarten Sträfling Manolo (Emilio Messina) im Gefängnishof stattfindet. Lovelock, der wie üblich über den Abspann eines seiner eigenen Lieder singen darf, ist der Rolle angemessen gut besetzt worden. Er sollte schon bald nach Tote pflastern seinen Weg in einem weiteren Chiller unter der Regie von Francesco Prosperi mitwirken und zwar im hypergewalttätigen La settima donna (Junge Mädchen zur Liebe gezwungen, 1978) sowie in einem anderen Actionfilm, der von Alberto Marras produziert (und ebenfalls inszeniert) wurde, nämlich dem interessanten L’avvocato della mala (Gangbuster, 1977).

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In USA gibt es eine BluRay.

  • Artikel-Nr.: V10297
  • Bildformat: „Vollbild 4:3“
  • Medium: „VHS“
  • Spielzeit: „ca. 70 Minuten“
  • Sprache: „Deutsch“
  • TV-Norm: „PAL“
  • Zustand: „TOP Zustand – grosser Einleger“
  • FSK: „ungeprüft“
  • Tonformat Analog: „Mono“
  • Medium:
  • FSK-Logo:

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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