Vor uns die Hölle / Ten Seconds to Hell

10 Seconds to Hell

Ten Seconds to Hell (Vor uns die Hölle) ist ein Nachkriegsdrama von Robert Aldrich aus dem Jahr 1959 mit Jeff Chandler, Jack Palance und Martine Carol.

Sechs deutsche Kriegsheimkehrer finden im ausgebombten Berlin eine lukrative aber todgefährliche Anstellung als Bombenräumkommando. Als Sprengmeister ausgebildet stürzen sie sich fast schon übermütig auf den gut bezahlten Job, und schließen gar eine große Geldwette ab darüber, wer wohl am längsten überlebt. Bald hat sie die Realität. Der jüngste der Truppe wird in den ersten zwei Wochen von einem ihnen wohl technisch nicht bekannten britischen Tausendpfünder getötet. Der nächste wird unter einem einstürztenden Gebäude begraben. Sie wählten Eric (Jack Palance) zu Beginn zum Vormann, Karl (Jeff Chandler) wird sein Assistent. Es kümmert sich Frau Bauer (Vriginia Baker) um die Truppe. Eric und Karl sind in einem schönen Apartment untergebracht bei Margot Hofer (Marine Carol). Als sich eric in Margo verliebt, steigert sich Karl in den Wettstreit, er will letztlich alleine den Wett-Topf gewinnen, während Eric verzweifelt versucht, von den britischen Truppen Infos über die fiesen Doppelzünder der neuartigen Fliegerbomben zu bekommen…

10 Seconds to Hell

Drei jahre nach Attack (den ich hier schon rezensierte der auch bei Explosive Media erschien), packte Aldrich ein weiters Drama um den Zweiten Weltkrieg an. Aldrich (Massai), der sich früh als Regisseur unbequemer, direkter aber doch unterhaltsamer Dramen einen Namen gemacht hatte, wagt hier einen Perspektivenwechsel. Während er Palance in Attack in diverse Himmelfahrtskommandos gegen Wehrmachtstruppen schickt, schlüpft Palance hier selbst in die Rolle eines ehemaligen Wehrmachtssoldaten, gemeinsam mit anderen in eine andere Art von Himmelfahrtskommando verstrickt: Bomben räumen – ein Job der übrigens bis heute nicht erledigt ist, wer in einigen deutschen Großstädten wohnt kann davon ein Lied singen.

10 Seconds to Hell

Palance (City Slickers) liefert eine beeindruckende Performance ab, die sich sehen lassen kann. Es ist eine beklemmende Story, mit Personen die hier in einer Situation stecken die man als Zuschauer eigentlich kaum verstehen, geschweige denn nachvollziehen kann. Insofern ist Eric nicht unbedingt eine Identifikationfigur, aber dennoch muss er als solche herhalten. Denn er ist eine Art von Gewissen, und er personifiziert außerdem Pflichtbewusstsein und Aufopferung. Auf der anderen Seite steht Karl, gespielt von Chandler (xxxx) der insgesamt überraschend wenig Filme drehte wie ich finde, und auch sonst war mir zwar diese Visage ein Begriff, aber ich musste auch nochmal ein paar Seiten wälzen um zu verstehen woher. Karl ist der Egoist, der Profitgierige und der Draufgänger. Beide buhlen aber um das gleiche Mädchen, und das erdet den Film in gewisser Weise, da trotz all der Spannung am Ende beide nur Männer sind die sich eigentlich nach Normalität sehen. Dass das Mädchen selbst ein Produkt dieses Krieges ist, nämlich eine geschasste Französin die sich mit dem Feind eingelassen hatte, geht hier fast unter. Der Krieg hat keine Engel produziert, jedenfalls nicht lebendige.

Dass alles Englisch ist, daran muss man sich natürlich gewöhnen, aber dass Menschen auf der Leinwand die Sprache sprechen, die die ihre ist, das schleicht sich auch in Hollywood erst seit ein paar Jahren langsam ein. Die Draufgängertruppe ist gut zusammengesetzt, und wird am Anfang ausführlich erzählt. Das ist natürlich stilistisch etwas ungelenk, aber damit kann Aldrich sich den Rest des Films auf seine beiden Stars konzentrieren, ohne dass – so würde man es heute machen – viel Leinwandzeit für die Erläuterung von Hintergründen und Backstories investiert würde, um die Charaktere zu verstehen. Insgesamt ist Ten Seconds to Hell ein unglaublich guter und spannender Film der absolut zu empfehlen ist.

10 Seconds to Hell

Explosive Media brachte die BluRay im März in den Handel, man konnte den Frühling also mit viel Jack Palance beginnen. Die Scheibe bietet soliden Ton (Englisch getestet, es gibt auch die deutsche Synchronfassung) und Untertitel ebenfalls auf Deutsch und Englisch. Das Bild sieht scharf und relativ sauber aus, das Alter kann die Abtastung nicht verstecken aber so gut konnte man den Film wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr erleben, das macht Freude. Leider gibt es auch hier an Extras nur den Kinotrailer und eine Bildergalerie mit Aushangfotos.

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Vor uns die Hölle

Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt, in deren Vertrieb sie erscheint. Screenshots von der Kino Lorber BluRay.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 30. Juli 2020

    […] schonungslose und realistische an diesem Krieg, ähnlich wie er das auch in Vor uns die Hölle machte, oder später in seinen Western (wie z.B. Keine Gnade für Ulzana in dem er sich mit der […]

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