Die Hexen von Zugarramurdi

Der unter dem seltsamen internationalen Titel „Witching & Bitching“ vermarktete Film des Genremeisters Álex de la Iglesia (Mad Circus, Perdita Durango), Die Hexen von Zugarramurdi („Las Brujas de Zugarramurdi“) von 2013, läuft gerade noch in der Arte+7 Mediathek (bis 13.11.) und lässt sich sogar von dort herunterladen. Als großer Fan des Regisseurs habe ich mich mit Freude auf diese schwarze Komödie gestürzt.

Der Film handelt von den Bankräubern José (Hugo Silva) und Toni (Mario Casas), die es zusammen mit zwei Geiseln, darunter dem Taxifahrer Manuel (Jaime Ordoñez), sowie Josés Sohn Sergio (Gabriel Delgado) an die Grenze zu Frankreich verschlägt, wo sie in dem Nest Zugarramundi in die Fänge eines Hexenkonvents geraten. Tollpatschig wie sie sich verhalten, müssen sie den Kleinen befreien der ihnen weggeschnappt wird, die Beute des Raubüberfalls zurückholen, eine Tasche Eheringe aus Gold, die den Hexen als Medium für ein großes Ritual dienen soll. Alles geht schief. Auch die beiden Cops Calvo (Pepon Nieto) und Pacheco (Secun de la Rosa), und die Frau von José treffen in Zugarramundi ein und die Hölle bricht los… mitten im Gefecht beginnt eine der Hexen, Eva (Carolina Bang), die erst den beiden Räubern Avancen machte, Zweifel an der eigenen Bosheit zu haben…. was für ein Durcheinander!

Witching Bitching Zugarramurdi

Zum ersten mal verliebt in die Kinoarbeit von Álex de la Iglesia hatte ich mich mit Perdita Durango von 1997, das war ein wildes Erlebnis. Ein Filmemacher der solch energetische, ungehemmte und unterhaltsame Filme macht, trat bei mir offene Türen ein. Das war natürlich noch die Dekade der wilden Roadmovies, die Zeit von From Dusk Till Dawn, damals hatten Gangster noch billige Anzüge an, und weder Javier Bardem noch James Gandolfini waren Superstars. Dabei war Perdita Durango ein relativ zugängliches Roadmovie (eine komplett ungekürzte Version in der Erstaufführung des Rio de la Plata Filmfestivals gibt es bis heute nicht, eine BluRay fehlt ebenso), spätere Werke waren da schon komplexer. El Día de la Bestia zum Beispiel, ein irrwitziger Film über einen Priester der die Apokalypse abzuwenden versucht und gegen den Teufel kämpft. Der absolute Meilenstein ist aber Balada Triste de Trompeta („Mad Circus“, siehe eine ältere Kritik hier auf Nischenkino), ein episches cineastisches Meisterwerk vor der Kulisse des Franco-Spanien, ein Film der alle Register zieht, einen einsaugt. Vor einigen Jahren konnte ich dan La Chispa de la Vida auf der Berlinale bewundern, eine Medienkritik mit Salma Hayek in der Nebenrolle. Der Film wurde in Deutschland nicht vermarktet, eine Schande.

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Nun mit Las Brujas de Zugarramundi greift wer wieder zu Material dass El Dia de la Bestia näher liegt. Elemente des Übernatürlichen, gepaart mit komödiantischen Elementen, grandiosem Produktionsdesign und bodenständigem Erzählmuster. Neben den außerhalb Spaniens weniger bekannten Hauptdarstellern, ist z.B. Carmen Maura als Hexin Graciana mit von der Partie, sowie in einer Nebenrolle Carlos Areces, der neben Carolina Bang (mittlerweile die Gattin von  Álex de la Iglesia) die Hauptrolle in Mad Circus spielte. Der ganze Witz und Unterhaltung des Films kommt im Wesentlichen von der Energie der Schauspieler und den witzigen Dialogen, die auch in den Untertiteln noch gut transportiert werden (mein Spanisch ist etwas dürftig). Das Zusammenspiel von Jose und Toni, sowie Pacheco und Calvo, aber auch das Hin- und Her zwischen Eva und José, ist grandioses Screwball, eingebettet in eine abgedrehte Hexengeschichte. Am Ende fährt der Film auch noch alle Register und offentbart seine wahren Ambitionen. Zwar sind die Computereffekte nicht ganz auf Höhe der Zeit, aber es ist ein riesiges, wildes und umfangreiches Finale mit viel witziger Symboltracht, grotesken Effekten und Geschrei.

Witching Bitching Zugarramurdi

Leider flacht der Film mit der ganzen Hexerei gegen Ende damit quasi stark ab und wirkt etwas zu billig. Das ist es am Ende auch, was dem Film zum Verhängnis wird. Im Vergleich zu seinen anderen Filmen, kann Die Hexen von Zugarramurdi qualitativ einfach nicht so recht mithalten. Insgesamt ist es aber ein höllisch unterhaltsamer Spaß, hervorragend geschnitten, mit kreativen Effekten, gutem Soundtrack und einem spanischen Staraufgebot.

Hier der spanische Trailer:

Die in Deutschland und den Niederlanden so vertriebene BluRay von splendid bietet Originalton, sowie die Deutsche Synchronfassung, und Untertitel in Deutsch oder Niederländisch. Ich habe nur die OmU Arte Fassung gesehen, kann zur BluRay also nicht mehr wiedergeben. Es prangt der Sticker „uncut“ drauf (der Film ist ohnehin nicht gekürzt) und einige wenige Extras sind enthalten.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 22. August 2017

    […] Bar ist der neueste Film von Álex de la Iglesia (La Balada Triste de Trompeta, Las Brujas de Zugarramurrdi, Perdita Durango), der endlich auf BluRay erscheint, nachdem er ja kaum oder gar nicht hierzulande […]