Jäger der Apokalypse / L’ultimo cacciatore

In Vietnam wütet seit geraumer Zeit ein grauenhafter Dschungelkrieg. Die Moral der amerikanischen Soldaten wird zudem unentwegt mit Propagandasendungen untergraben. Captain Henry Morris, ein erfahrener Elitesoldat, bekommt ein Himmelfahrtskommando. Er und eine kleine Spezialeinheit haben die Aufgabe, den irgendwo in der grünen Hölle Vietnams verborgenen Radiosender ausfindig zu machen und diesen dann zu eliminieren. Grausame Menschenfallen und tückische Hinterhalte gehören zu den einfacheren Hindernissen auf dem tödlichen Weg durch den unwegsamen Dschungel. Begleitet von der jungen, engagierten Journalistin Jane macht er sich auf in die „grüne Hölle“, aber bald geht es nur noch ums nackte Überleben. Dann geraten sie in Gefangenschaft! (X-Rated)

Während des Vietnamkrieges hofft Kapitän Henry Morris (David Warbeck), dass die heutige Nacht friedlich sein wird, da er mit einigen seiner Männer ein wenig Ruhe und Erholung genießt. Sie sitzen in einer Bar, als sein alter Freund und Mitsoldat Steve die Auswirkungen des Drucks spürt. Eine Vietnamesin versucht ihn zu massieren, er schlägt ihre Hände weg und schreit sie panisch an, sie solle ihn nicht berühren. Einer der anderen Rekruten macht sich über ihn lustig, weswegen die Situation schnell außer Kontrolle gerät und Steve nicht nur den Spötter, sondern auch sich selbst erschießt. Wäre doch bloß seine Freundin Carol dort gewesen…

1979 war den Filmen The Deer Hunter (Die durch die Hölle gehen) und Apocalypse Now großer Erfolg beschieden. Warum also nicht, dachte sich Regisseur Antonio Margheriti (der niemals eine Gelegenheit für Hommagen ausließ), die beiden für einen großen Vietnamkriegsfilm zu kombinieren? Nun, L’ultimo cacciatore ist längst nicht so groß wie die beiden genannten Streifen, mit ungefähr der Hälfte ihrer jeweiligen Laufzeit und mit deutlich niedrigerem Budget, doch von Fans italienischer Exploitation-Filme wird Jäger der Apokalypse sehr gemocht. Auf den Philippinen gedreht, bietet The Last Hunter einen verschwitzten, blutigen und vor allem nihilistischen Blick auf den Konflikt.

Was war es nur mit dem Vietnamkrieg, der angesichts des Todes Themen der Sinnlosigkeit anriss, die in Filmen über den Zweiten Weltkrieg nicht auftauchten? Ging es um mehr als die Tatsache, dass die USA den Krieg verloren haben, eine Supermacht in die Knie gezwungen wurde, was die zynische Seite von Filmemachern auf der ganzen Welt hervorbrachte? Sicherlich gestaltet sich dieses Werk wenig unbeschwert, wobei selbst Heldentum auf den Prüfstand gestellt wird, wenn auch nur in dem Maße, in dem das Streben von Morris und seinen Männern nach Erfolg in einer Mission, in die man niemals richtig involviert wird, letztendlich als nicht der Mühe wert beurteilt wird.

Tatsächlich vermittelt das Ende dieses Films das Gefühl, es sei das Beste (wenn man in einem so kontroversen Krieg wie dem hier porträtierten kämpft) so schnell wie möglich aufzugeben, weil man sonst in große Schwierigkeiten gerät. Um an The Deer Hunter zu erinnern, gibt es Rückblenden zu Morris‘ Leben in Amerika, wo er mit seinem Kumpel Steve und Carol (Margit Evelyn Newton) gut zusammenlebte, damit man erkennen kann wie viel für Morris verloren gegangen ist, obwohl es auch noch einen anderen Grund für diese Rückblenden gibt, der erst zur Wendung am Ende Sinn macht.

Bevor man dort jedoch ankommt, muss Morris eine gründliche Desillusionierung erleben sowie ertragen, als er sich auf eine Ein-Mann-Mission begibt, um den Funkturm zu zerstören, der antiamerikanische Propaganda verbreitet. Auszüge davon kann man den gesamten Film über hören, sobald jemand ein Radio einschaltet (gab es keine anderen Sende-Stationen!?). Das bedeutet, dass Morris aus einem Hubschrauber springen muss, um sich mit einer kleinen Gruppe von Soldaten zu treffen, die ihn (nachdem ihre Anzahl aufgrund von feindlichen Angriffen und fiesen Sprengfallen ziemlich erschöpft wurde) zu einem Netzwerk von Höhlen geleitet, das von der US-Armee im Dschungel gehalten wird. Allerdings befinden sich die Höhlen unter Belagerung. Mit von der Partie ist auch die Fotografin Jane Forster (Tisa Farrows), die Morris jemanden zur Verfügung stellt, den er retten kann, wenn die Truppen beider Seiten auf sie losgehen (schließlich handelt es sich bei ihr um die einzige „weiße“ Frau im Dschungel). Jäger der Apokalypse kann als enorm trostlos bezeichnet werden, doch irgendwie fühlt sich alles zu sehr gewollt oder gekünstelt an, um wirklich authentisch rüberzukommen. David Warbeck liefert angemessene Arbeit ab, während Tisa Farrows (Feuerstoß, Der Mann der aus dem Dschungel kam, Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies) eigentlich nicht viel zu tun hat, außer sich hauptsächlich mit amerikanischen sowie vietnamesischen Lustmolchen herumzuschlagen. Der in Neuseeland geborene Schauspieler David Warbeck gab sein Spielfilmdebüt mit My Lover, My Son (Inzest, 1970). Warbeck wurde nach einem Studium an der Royal Academy of Dramatic Arts in London Schauspiel-Profi und in den 70er Jahren zu einem beliebten europäischen Star für Low-Budget-Genre-Filme, die in Italien, den USA und England gedreht wurden. Zu seinen bemerkenswertesten Filmen gehören neben diesem hier Antonio Margheritis TV-Miniserie L’isola del tesoro (Der Schatz im All, 1987) und Luci Fulcis …E tu vivrai nel terrore! L’aldilà (Über dem Jenseits, 1981). Außerdem trat er auch in Gatto nero (The Black Cat, 1981), I cacciatori del cobra d’oro (Fluch des verborgenen Schatzes, 1982), 7, Hyden Park: la casa maledetta (Das Haus der Verfluchten) und Miami Golem (beide 1985) auf. Warbeck hatte seinen letzten Filmauftritt in Jake Wests Razor Blade Smile (1998). Er starb am 23. Juli 1997 in London im Alter von nur 55 Jahren an Krebs. Als Nebendarsteller fungieren so bekannte, wie beliebte Genre-Gesichter wie Tony King (Atlantis Inferno, Der Spielgefährte, Shaft), Bobby Rhodes (Dämonen, Dämonen 2, Das Duell der Besten), Margie Newton (Die Hölle der lebenden Toten), John Steiner (Salon Kitty, Mannaja – Das Beil des Todes, Caligula, Tenebre – Der kalte Hauch des Todes), Massimo Vanni (Racket, Keoma – Ein Mann wie ein Tornado, Die Killer-Meute) und Luciano Pigozzi (Fünf blutige Stricke, Satan der Rache, Die Viper). Die Musik stammt von Franco Micalizzi.

X-Rated veröffentlicht Jäger der Apokalypse als Nummer 50 der X-Rated-Eurocult-Collection im Mediabook (DVD+Bluray) mit drei verschiedenen Covern, die alle limitiert sind. Allerdings ist der Film jetzt auch in der kleinen Hartbox zu bekommen. Bild (2,35:1 (1080p) und Ton (deutsch und italienisch DD 2.0) bewegen sich auf gutem Niveau, da kann man überhaupt nicht meckern. Die Extras haben einige Highlights zu bieten und zwar einen Audiokommentar von Pelle Felsch und Oliver Nöding, die wie gewohnt viel Interessantes zu berichten haben sowie ein 16seitiges Booklet (nur im Mediabook enthalten) mit Bildern und Beiträgen von Christoph N. Kellerbach mit einer Fülle an Information und somit sehr lesenswert. Die weiteren Boni bestehen aus dem deutschen Trailer, dem US Trailer, dem italienischen Trailer, deutschem Werbematerial und einem französischen Alternativanfang. Hier liegt erstmalig die Komplettfassung mit allen Gore-Szenen und Dialogen vor. In diversen Veröffentlichungen (Deutschland, Italien, USA, Frankreich) fehlten bislang immer unterschiedliche Szenen, die jetzt komplett sind. Damit kann die Veröffentlichung mal wieder als sehr gelungen bezeichnet werden. Liebhaber des italienischen Söldnerfilms sei diese Edition jedenfalls sehr ans Herz gelegt.

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Darsteller: Tony King, Tisa Farrow, Bobby Rhodess, David Warbeck, John Steiner
Regisseur(e): Anthonio Margheriti
Format: Breitbild
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: X-Rated
Produktionsjahr: 1980
Spieldauer: 97 Minuten

Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von X-Rated zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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