Revenge

Revenge ist ein französischer „rape-and-revenge“ Rachethriller aus dem Jahr 2017 von Coralie Fargeat. Der folgende Text enthält geringfügige Spoiler, das Konzept des Films ist allerdings schon durch das Genre relativ klar vorgegeben.

Während seine Frau Elisabeth zuhause ist, reist der wohlhabende Richard (Kevin Janssens) in die Wüste um wie jedes Jahr mit seinen Geschäftspartnern auf Jagd zu gehen. Um sich auf das Wochenende ordentlich einzustimmen, reist er mit seinem Seitensprung, der Amerikanerin Jennifer (das italienische Model Matilda Lutz), einen Tag früher an. Doch auch seine „Teilhaber“ Stan (Vincent Colombe) und Dimitri (Guillaume Bouchède) tauchen zu früh auf, in voller Montur und mit den Jagdwaffen. Die vier machen noch ein wenig Party, wobei Jennifer den beiden Neuankömmlingen ordentlich den Kopf verdreht. Als Richard am nächsten Tag kurz aus dem Haus ist um Papierkram für die Jagd zu erledigen, vergewaltigt Dimitri das Mädchen. Als Richard nach seiner Rückkehr die kleine beschwichtigen und mit Geld abspeisen will, weil er Angst hat dass sie seiner Frau bescheid sagt oder sie alle in den Knast bringt, ist sie schockiert und rennt weg. An einer Klippe stürzt Richard sie in die Tiefe. Als den dreien klar wird, dass sie den Sturz überlebt hat, machen sie auf sie Jagd um die Spuren zu verwischen… doch Jennifer, zwar spärlich bekleidet und schwer verletzt, ist bis an die Zähne bewaffnet, angepisst und nach einem Peyote-Trip aufgeputscht. Sie dreht den Spieß um…..

Der in Marokko gedrehte Revenge ist so eine Art I Spit on Your Grave in der Wüste, mit einen Hauch von Postapokalypse, denn Jen bekommt nach dem Peyote-Trip eine fast mystische Qualität, und wenn sie dann in Hotpants, tatoowiert und aufgerüstet durch die Wüste rennt und ihre Peiniger zur Strecke bringt, dann hat as schon fast etwas ikonisches. Die Macher bewiesen hier beim Casting ein gutes Händchen: Der Film wäre nicht so gut, er würde in der Masse an derlei Filmen untergehen, kombinierte er nicht so gekonnt den Kontrast zwischen dem zärtlichen Babyface-Look von Frau Lutz mit ihrem On-Screen Alter Ego Jennifer, die zu so einer Art Pinup-John McLane mutiert und in bester 80er Jahre Actionfilm-Manier zum schön anzusehenden aber tödlichen Racheengel in Höchstform aufläuft.

Der Film bedient sich dabei recht gut den typischen Exploitation-Elementen, ohne dabei zu sehr abzudriften, weder in Richtung Torture-Porn noch in Richtung Lächerlichkeit. Auch die Referenzen sind nicht zu dick aufgetragen. Eine stylische Location, eine sexy Hauptdarstellerin, ein paar böse Jungs und eine unterhaltsame Abrechnung mit eben diesen. Der Film sitzt perfekt. Eine wichtige Rollen spielen dabei auch die großartigen Aufnahmen (sowohl Landschaften als auch Innenarchitektur und – teilweise fast schon übertrieben – Nahaufnahmen der Hauptdarstellerin) und die Farben, einfallsreiche Spezialeffekte (was das Gemetzel angeht mit sehr hohem Gore und Blood Faktor), und ein interessanter guter Soundmix (sehr stark Teil des ganzen) und viel Style (nicht zu Giallo, aber man merkt schon welche Schule die Regisseurin besucht hat).

Ist der Film hart? Augenscheinlich ja, allerdings fand ich ihn bis auf ein paar wenige Momente eigentlich angenehm moderat und wenig auf Show-Effekte reduziert. Andererseits wird er dann teilweise auch einfach ein wenig „much“ und wirkt daher schon etwas comichaft brutal, vor allem gegen dem Ende hin. Was dem Film hilft ist, dass die männlichen Darsteller – jedenfalls für Zuschauer außerhalb des frankophonen Sprachraums – vergleichsweise unbekannt sind, und daher die Bühne ganz Matilda Lutz gehört, von der man überraschenderweise sagen muss dass sie sich als Naturtalent entpuppt. Sie bringt etwas Augenzwinkern zum Thema, was weder Salma Hayek in Everly sehr gut konnte (leider), noch die diversen Scream-Queens aus den Remakes diverser 80er Slasher oder direct-to-video Torture-Pornos.

Revenge sollte man zwar jetzt nicht überbewerten, immerhin ist die Story flach wie die Wüste mit Logiklöchern groß wie Canyons, aber er ist unglaublich unterhaltsam, technisch wirklich sehr gut gemacht, audio-visuell eine Pracht und hat durch die Kombination von Stil, Gore und Sexappeal das Potential, zu einem geheimen Kultfilm zu avancieren.

Die BluRay bietet die deutsche Synchronfassung und den Französisch/Englischen Originalton (getestet), optional mit deutschen Untertitel (aber dann pauschal, auch für die Szenen auf Englisch, Französische gibt es ebenfalls leider nicht). Die Tonspuren sind beide in DTS HD-MA 5.1. Der Film ist streckenweise sehr leise, zumeist aber auch sehr atmosphärisch, hier kommt der dezente Einsatz von Raumklang gut hin, aber die Tonkulisse hält sich zumeist auch etwas zurück. Insgesamt ist das eine sehr gute Tonspur, die nur teilweise ein wenig zu zaghaft daher kommt, etwas mehr Foley hätte dem ganzen vielleicht gut getan. Dafür darf es hin und wieder etwas krachen und man hört auch jede Ader wenn irgendwo was zu Schaden kommt. Das Bild sieht klasse aus, sowohl was Farben und Kontrast als auch Schärfe anbelangt.

An Extras gibt es ein Behind the scenes video (etwa 12 min Aufnahmen vom Dreh, kein Marketingvideo, relativ wahllos mit dem Camcorder am Set), eines über die Spezialeffekte (3min Aufnahmen vom Makeup und Effekten, ohne Untertiteln, wie man die völlig durch den Fleischwolf gedrehte Matilda-Look hinbekommen hat) sowie ein Bildergalerie Making-Of (6min mit Musik unterlegte Bildergalerie mit Fotos vom Dreh), den deutschen Trailer, dann den US Trailer, dann noch einen anderen deutschen Trailer und noch einen engl. Trailer. Im Menü sind die Trailer seltsam benannt, vor allem gibt es keine französischen Trailer.

Neben der normalen BluRay im Amaray, die mir zur Rezension vorlag, gibt es auch noch eine Steelbook-Variante und eine Sammleredition im Mediabook mit DVD dem Soundtrack auf CD. Die Cover Designs finde ich alle drei nicht besonders gelungen, da hätte ich mir mehr Retro-Look gewünscht. Mit Revenge werden viele ihren Spaß haben, und die technische Umsetzung ist auch prima.

Bei Amazon: Standard-Edition / 3-Disc Mediabook / Steelbook

Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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