Das Milliarden Dollar Gehirn

Million Dollar Brain

Billion Dollar Brain (Das Milliarden Dollar Gehirn) ist ein britischer Spionagefilm von 1967 mit Michael Caine erneut in der Hauptrolle als Harry Palmer (bekannt aus Ipcress – Streng Geheim). Der (jetzt ehemalige) Agent Palmer (Caine) verdingt sich als Freiberufler. Er schmuggelt ein wenig unbedacht (oder neugierig) und naiv für einen Batzen Geld etwas Gefahrengut nach Helsinki, wo er von seinem alten Bekannten Leo Newbigen (Karl Malden) und seiner finnischen Freundin Anya (Francoise Corleac) empfangen wird. Newbigen scheint für einen größenwahnsinnigen texanischen General zu arbeiten, dessen Supercomputer ihn, aber auch Palmer, in einen perfiden Plan verstrickt, in Lettland einen Krieg gegen den Kommunismus vom Zaun zu brechen. Der britische Geheimndienst, der KGB, die Finnen und das böse Supergenie – Palmer muss sie alle gegeneinander ausspielen um die Welt zu retten.

Harry Palmer, der Schmalspur-Bondklon ist wieder da. Erfolgreicher als man denkt waren diese Saltzman Produktionen immer halb ernst und halb zum Spaß als Bond-Konkurrenz gedacht. Trockener, bissiger, ironischer (am besten immer noch die Darstellung von Bürokratie im Spionagekontext, die sich bei 007 auf kurze Ausflügge zu Moneypenny und Q beschränken) weniger Actionreich aber nicht weniger „well-intentioned“ wie man sagt. Gut gemeint also – und: gut gemacht.

Spätestens wenn am Ende religiöse Faschisten über das Eis marschieren in voller Nazimontur und irgendwelchen politischen Unfug trällernd, werden nicht nur diverse politische Parallelen zur echten Welt von damals als auch heute plastisch, sondern auch Anleihen in etwa bei Kubricks Dr. Strangelove. Während die Bond Bösewichte selten so dreiste politische Vorbilder im realen Leben hatten, sondern meist eher abstrakt-böse/gierig waren, lässt Regisseur Ken Russell (The Devils) den McCarthy-General aus der Romanvorlage ungefiltert aufmarschieren. Etwas schade dann eigentlich, dass die Figur die Karl Malden (Summertime Killer) mit viel Genuss zu spielen versucht, so ein seltsames Konstrukt ist, und Francoise Dorleac als quasi-Bondgirl weder richtig glänzen darf (noch nicht mal in der Sauna, dank des verklemmten Bildausschnittes) noch eien so gerissene Schlüsselrolle einnimmt wie es die Story zulassen würde.

Laut der IMDb soll kurz Donald Sutherland zu sehen sein, ich habe wohl nicht aufmerksam genug hingeguckt. Aber Susan George hat ein kleines Cameo. Neben Saltzman war auch Andre de Toth (The Stranger Wore a Gun) hier Produzent, und die Titelsequenz stammt von Maurice Binder (Dr. No und die andere Bondsn der Zeit). Am wenigsten beeindruckend an diesem 107-minütigen missglückten Balanceakt aus Spionageklamotte, Komödie, Satire und geopolitischem Drama ist letztlich Michael Caine selbst. Palmer verkommt in Billion Dollar Brain gänzlich zum langweiligen Pappkameraden, völlig emotionslos, flach und langweilig.

Die BluRay bietet recht ordentliches Bild, lässt aber etwas zu Wünschen übrig in Sachen Auflösung und Sauberkeit. Dem Genuss des Films tut es aber keinen Abbruch, insgesamt eine sehr solide Präsentation des Films. Beim Ton hat man die Wahl zwischen der deutschen Synchronspur und dem englischen Originalton (getestet). Das klingt ganz passabel. Untertitel gibt es auf Deutsch und Englisch. Extras gibt es außer dem original US-Kinotrailer und einer Bildergalerie keine.

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Die BluRay wurde uns zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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