Die Gewalt bin ich / Il cinico, l’infame, il violento / The Cynic, the Rat and the Fist

Luigi Maietto, alias „Der Chinese“, ist aus dem Gefängnis geflohen. Leonardo Tanzi, für die Haftstrafe des Chinesen verantwortlich, soll so schnell wie möglich untertauchen. Da Tanzi schon lange wegen seinen ruppigen Methoden ein Dorn im Auge seiner Vorgesetzten ist, kommt Maiettos Flucht für die Beamten wie gerufen, um ihn von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Während Tanzi die Öffentlichkeit meidet, verbündet sich der Chinese mit dem lokalen Mafioso Frank Di Maggio, mit dem Hintergedanken selbst den laufenden Handel mit Drogen und Schutzgeldern zu übernehmen. Durch die Presse und seinen Vorgesetzten bekommt Tanzi Wind von den Plänen und den sadistischen Taten des Chinesen. Er will die Sache selbst verfolgen, um den Chinesen endgültig von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Ein ungeplanter Zwischenfall lässt die Ereignisse überschlagen. Auf Befehl von Di Maggio wird Tanzis Onkel auf offener Straße von den Leuten des Chinesen erschossen. Tanzi sieht Rot…jedes Mittel ist ihm Recht, um seine Feinde gegeneinander auszuspielen. (filmArt)

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Ex-Inspektor Leonardo Tanzi (der seinen Polizeidienst aufgrund seiner Vorgesetzten quittiert hat, die seine Methoden missbilligten) soll von Komplizen des Unterweltbosses Luigi Maietto alias „Der Chinese“ (der gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen ist) eliminiert werden, wird zu seinem Glück jedoch nur verwundet. Tanzi ist nun gut damit beraten unterzutauchen und in der Schweiz Zuflucht zu suchen. Allerdings geht er mal wieder seine eigenen Wege. Inzwischen hat es Maietto nach Rom verschlagen, um mit Verbrecherboss Frank Di Maggio (der in der Stadt ein kriminelles Imperium führt) in Konkurrenz zu treten sowie die Kontrolle über dessen Syndikat zu übernehmen. Zu diesem Zweck verbündet sich der Chinese zunächst zum Schein mit Di Maggio, wobei Tanzi geschickt Zwietracht zwischen den beiden Gangstern sät, die sich dadurch gezwungen sehen gegeneinander anzutreten. Am Ende gelingt es Tanzi beide Banden zu eliminieren.

In einer Art Fortsetzung von Roma a mano armata (Die Viper, 1976) erlebt das Publikum von Umberto Lenzis Il cinico, l’infame, il violento die Rückkehr des Kommissar Tanzi. Der Star des Genres Maurizio Merli übernimmt dabei mal wieder die typische Rolle des rächenden Polizisten. Trotz eines der einprägsamsten Titel (zumindest auf Italienisch) im Bereich der poliziotteschi, der sich offen an Sergio Leones Il buono, il brutto, il cattivo (Zwei glorreiche Halunken, 1967) anlehnt, gestaltet sich das Ergebnis eher ein wenig enttäuschend. Ein Großteil dessen ist dem Drehbuch zuzuschreiben, das Tanzi zu einem einsamen Wolf werden lässt, der sich außerhalb der Legalität bewegt, was den Charakter seiner inneren Qual beraubt und Merli in einen Superhelden verwandelt, während sich die Handlung oft auf Action/Abenteuer Gebiet bewegt, ohne die Ideen, geschweige denn die Mittel dafür bereit zu stellen. Ein atemberaubendes Beispiel repräsentiert das Einbruchs-Segment, das wie ein Fremdkörper im gesamten Film wirkt und in einer Sequenz gipfelt, in der sich Merli durch einen Korridor voller „Sicherheitsstrahlen“ bewegen muss (die so aussehen, wie in einigen türkischen Actionfilmen der Klasse Z).

Il cinico, l’infame, il violento leidet zusätzlich unter schlecht gezeichneten Charakteren. Die weiblichen Figuren repräsentieren praktisch nur „bessere“ Statisten, wie die dämliche Prostituierte (Gabriella Lepori), die von allen geschlagen wird und schließlich aus dem Film verschwindet, während die Bösen Jungs hoffnungslos konventionell dargestellt werden. Als italienisch-amerikanischer Boss, der einen Verräter (Antonio Basile) bestraft, indem er ihm Golfbälle ins Gesicht schießt, bevor seine Hunde an ihm knabbern dürfen, kommt John Saxon zwar ziemlich fies rüber, hinterlässt jedoch dennoch keinen denkwürdigen Eindruck. Auf der anderen Seite wirkt Tomas Milian als Gangster aus der Arbeiterklasse (der 100.000-Lira-Banknoten mit der gleichen vulgären Großzügigkeit ausgibt, mit der er in den obligatorischen Werbespot-Szenen Päckchen von Marlboro-Zigaretten in die Kamera hält) eher gelangweilt und desinteressiert. Eine Tatsache, die nicht nur durch eine eher ungefähre physiognomische Charakterisierung des „Chinesen“ belegt wird, sondern auch dadurch, dass er und Merli ihre Szenen getrennt voneinander drehten, sich nie am Set getroffen haben und nie in derselben Sequenz auftauchen, geschweige denn in der gleichen Aufnahme.

Paradoxerweise präsentiert sich Il cinico, l’infame, il violento weniger einprägsam wegen seines Titelcharakters als aufgrund Milians beeindruckendem Schergentrio, angeführt von Robert Hundar (Claudio Undari, 1935 – 2008), eines der bekanntesten Gesichter des europäischen Populärkinos der 60er und 70er Jahre, der von (Horror-) Western (Joaquin Luis Romero Marchents „Meisterwerk“ Condenados a vivir / Todesmarsch der Bestien, 1972) bis Sexploitation (als monströs ausgestatteter Onaf in Alfonso Brescias La bestia nello spazio / Die Bestie aus dem Weltraum, 1980) in so gut wie jedem Genre aufgetreten ist. Die anderen beiden Handlanger des „Chinesen“ werden von Bruno Corazzari und Marco Guglielmi verkörpert, die beide gute Arbeit leisten, allerdings auch nicht viel zu tun haben. Einen weiteren Pluspunkt stellt die energiegeladene Musik des immer zuverlässigen Franco Micalizzi dar. Il cinico, l’infame, il violento war an den Kinokassen sehr erfolgreich und spielte über anderthalb Milliarden Lira ein – ein Ergebnis, das einige Monate später von La banda del gobbo (Die Kröte) leicht übertroffen wurde. Es handelt sich hier auch um Merlis erfolgreichsten Film des Jahres, obwohl sein anderer poliziotteschi Poliziotto sprint (Highway Racer) auch gut abschnitt, während Sergio Martinos grimmiger Western Mannaja (Mannaja – Das Beil des Todes) allerdings nur 750 Millionen einspielte – halb so viel wie Lenzis Film.

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  • Regisseur:‎ Umberto Lenzi
  • Medienformat: DVD & Blu-Ray
  • Laufzeit: ‎99 Minuten
  • Darsteller: Thomas Milian, Maurizio Merli, John Saxon
  • Untertitel: Deutsch
  • Studio: X-Rated

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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